Staraufgebot am Seeufer: Martin Fourcades Nordic Festival 

Staraufgebot am Seeufer: Martin Fourcades Nordic Festival 

Man hätte sich wohl keine malerischere Kulisse als Le Pȃquier wünschen können, den Austragungsort, denn der französische Star für seinen ersten großen Schauwettkampf in Frankreich ausgesucht hatte. Die weitläufige grüne Promenade ist nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt und liegt direkt am blitzblauen Lac Annecy, der am Horizont hinter dem Schießstand von Alpengipfeln umrahmt wird. Am 1,7 km langen Rundkurs drängten sich die Zuschauer vom Start bis ins Ziel in Dreierreihen und feuerten zusammen mit den 3000 Fans auf der Tribüne jeden Athleten und jede Athletin enthusiastisch an - das alles natürlich bei strahlendem Sonnenschein für diese Premiere.

Martin Fourcade Nordic Festival

*Sieg geht an Starter und Organisator Fourcade *
Nachdem erst sich im ersten Stehendschießen mit 5 Treffern von Benedikt Doll und dem restlichen Feld abgesetzt hatte und das Rennen der Männer in typischer Fourcade-Manier gewonnen hatte, sagte der strahlende Fourcade zu der Veranstaltung, die er ins Leben gerufen hat: „Es war unglaublich und großartig. Es hätte nicht besser laufen können, nur ein bisschen kühler hätte es vielleicht sein dürfen. Mein „Komplize“ Alexis Boeuf und ich haben mit zwei anderen vor sechs Monaten mit einem weißen Blatt Papier angefangen. Alle haben gesagt, dass wir das nicht schaffen können, so eine Veranstaltung im Zentrum von Annecy aufzuziehen, das sei unmöglich, und da sind wir nun und haben etwas Besonderes geschaffen.“

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Yurlova-Percht „glücklich und aufgeregt“
Am Tag vor den Wettkämpfen waren alle Athletinnen und Athleten im elitären Starterfeld aus acht Frauen und acht Männern aufgeregt und voller Vorfreude auf diesen großen Samstag in Annecy. Ekaterina Yurlova-Percht war ein wenig überrascht, als sie eingeladen wurde. „Ich sah diese unbekannte Nummer auf meinem Handy und bin nicht drangegangen. Dann habe ich eine SMS von Martin bekommen, in der er schrieb, er wolle mich zu seinem Festival einladen. Da war ich schon sehr aufgeregt und glücklich, weil ja nur acht Frauen eingeladen sind. Ich habe sofort ‚ja‘ gesagt, da sagt man natürlich nicht nein, einfach ja!“ Sie fügte hinzu: „August ist mein Testmonat. Ich war bei Blink, in Wiesbaden und jetzt bin ich hier. Es ist schön, im Sommer dieses Wettkampfgefühl zu bekommen. Aber es ist auch einfach so nett, zu einer Veranstaltung wie dieser zu kommen und in einem entspannten Umfeld anzutreten, weil man diese Gelegenheit im Winter nicht bekommt.

Der Mann von hier​Antonin Guigonnat gab zu, dass er der Mann von hier ist. „Ich bin wirklich ein Athlet von hier. Ich bin 50 km von hier zuhause, und meine ganze Familie und alle Freunde werden da sein. Da steht man natürlich zusätzlich unter Druck, aber ich habe gelernt, wie ich mir diesen Druck zunutze machen kann.“

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Braisaz überrascht auf Platz drei
Justine Braisaz wusste nicht, was sie erwarten soll. „Ich freue mich auf die vollen Tribünen und die ganzen Leute. Das ist gute Werbung für unseren Sport und den französischen Biathlon.“
Braisaz, angespornt von den ausgelassenen französischen Massen, schaffte es auf einen soliden dritten Platz hinter dem unaufhaltsamen italienischen Duo aus Lisa Vittozzi und Dorothea Wierer. Im Ziel sagte die Lokalmatadorin: „Ich habe diese Erfahrung hier heute so genossen. Es ist mir wirklich eine Ehre, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein, und ich freue mich darauf, in Zukunft wieder dabei zu sein.“

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Vittozzi brilliert im Stehendanschlag​

Vittozzi hielt an diesem heißen Nachmittag länger durch als Wierer und glänzte mit zwei makellosen Stehendschießen. „Ich habe in mein Stehendschießen vertraut, und es hat mir den Sieg eingebracht. Aber es war unfassbar hart: Die Strecke ist flach, man muss die ganze Zeit Gas geben und es war wirklich sehr heiß.“ Weiter sagte sie: „Die Stimmung war herrlich. Es hat riesig Spaß gemacht.“

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Doro: „Zu heiß, aber überlebt“
Die zweitplatzierte Wierer erklärte mit einem Lächeln ihre Probleme mit der Hitze und am Schießstand. „Das erste Stehendschießen war überhaupt nicht lustig. Ich hatte eine echt schlechte Position, dann habe ich gemerkt, dass ich nur zittere, aber das war gutes Training, weil man trotzdem immer pushen muss. Die Atmosphäre war echt cool Ich hatte nicht mit so vielen Menschen gerechnet. Sie haben alle angefeuert, was nett ist.“ Dann sagte sie mit einem Lachen: „Aber für mich war es zu heiß. Ich lebe noch, und das ist das Wichtigste!“

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Johannes: „Gnadenlos“
Fourcades heiß erwartetes Duell mit Johannes Thingnes Boe fand nie wirklich statt. Sie plauderten vor dem Start freundlich für das Fernsehen miteinander und umarmten sich im Ziel. Davon abgesehen schob sich Fourcade nach vorn, während Johannes mit den Scheiben kämpfte, zweimal alle Nachlader brauchte und dann Strafzeit in Kauf nehmen musste. Wie Wierer ermattete der hellhäutige Norweger, der am Schluss Vierter wurde, in der heißen Nachmittagssonne. „Man konnte nie langsam machen. Es war gnadenlos. Überall waren Zuschauer.“ Zu seiner Kondition sagte Johannes, obwohl er nicht aufs Podest kam: „Ich komme in Form. Ich werde immer fitter.“

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Doll und Hofer
Doll war über seinen zweiten Platz selbst ganz überrascht. „Ich hätte nie damit gerechnet. Es sind viele gute Schützen hier. Mein erstes Stehendschießen war wirklich schlecht, und ich habe es trotzdem aufs Podest geschafft.“

Lukas Hofer wurde Dritter, womit insgesamt die Hälfte der Podestplätze nach Italien ging. Schweißgebadet sagte er zu diesem Tag: „Hart... aber eine grandiose Veranstaltung. Ich hatte keine Ahnung, dass es so werden würde.“

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Wunderbare Veranstaltung, wunderbarer Ort

Die viertplatzierte Kaisa Mäkäräinen war voll des Lobes. „Das hat riesig Spaß gemacht. Es ist wirklich nett hier. Einfach schön, die Stadt, und dann für uns die Strecke direkt am See, das war wunderbar, eine herrliche Veranstaltung.“ Doll stimmte dem finnischen Star zu: „Großartiges Event: Eine tolle Umgebung, wunderschöne Landschaft und vor allem die Fans, die jeden angefeuert haben. Das hat mir sehr gefallen.“

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Etwas Besonderes
Fourcade, der viel Zeit und Nerven in diese Veranstaltung investiert hat, freute sich sehr über das Lob seiner Kolleginnen und Kollegen. „Ich habe sie eingeladen, und ich wollte, dass das etwas Besonderes für sie wird. Wir haben versucht, alles bequem einzurichten, mit den besten Unterkünften und freundlichen Antworten auf alle Fragen. Das von ihnen zu hören, das ist für mich etwas Besonderes. Als Mitglied des IBU Athletenkomitees muss ich mich um die Athleten kümmern. In der Doppelrolle als Athlet und Organisator wollte ich wirklich fair sein. Nicht zu viel von ihnen verlangen und ihnen das bieten, was sie verdienen... Das war eine Menge Arbeit, aber ich wollte das so. Ich freue mich zu hören, wie es am Ende angekommen ist. Da ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.“ 

Fotos: La Chaine L’Équipe, IBU/Jerry Kokesh

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