Mentale Stärke, positives Denken wichtig für Biathleten

Mentale Stärke, positives Denken wichtig für Biathleten

Auch wenn das tägliche körperliche Training für den Erfolg im Biathlon unverzichtbar ist, braucht es einen ebenso starken Geist, um Wettkampfdruck, hartes Training, Erfolge und Enttäuschungen zu verwinden.

Mit dem heutigen Tag der seelischen Gesundheit, den es seit 1992 gibt, will der Weltverband für psychische Gesundheit für „weltweite Bildung und Sensibilisierung für seelische Gesundheit und ein Eintreten gegen gesellschaftliche Stigmatisierung“ werben. Ein guter Tag um sich ins Gedächtnis zu rufen, dass mentale Stärke und Zuspruch von Trainern, Betreuern und der Familie sowohl zum Wohlergehen der Biathletinnen und Biathleten als auch zu ihrem sportlichen Erfolg beitragen.

Mentale Stärke, positives Denken wichtig für Biathleten

Fillon Maillet: Kraft geschöpft aus Krebskampf der Freundin

 ​Quentin Fillon Maillet ist seit seinem zweiten Platz per Fotofinish im Massenstart von Ruhpolding 2015 ein vielversprechender Nachwuchsstar der französischen Mannschaft. Und doch hatte er zwischen diesem Meilenstein und der letzten Saison zu kämpfen. Im Sommer 2018 gelangte er durch neue Trainingsstrategien zu neuer körperlicher Stärke, aber es gab auch noch einen anderen Wendepunkt in seinem Leben. In der Vorsaison hatte er mit der Krebsdiagnose seiner Freundin gehadert. Fillon Maillet sagt: „Wenn man Probleme hat, denkt man ständig daran und macht sich Sorgen. Ich habe mir große Sorgen um meine Freundin gemacht. Das war ein immenses Problem. Nachdem sie sich erholt hatte, ist mir klar geworden, dass solche Sachen wie Biathlonschwierigkeiten eigentlich nur kleine Probleme und kein Grund zur Sorge sind. Sie hat mir viel Kraft gegeben, weil sie sechs Monate lang jeden Tag so hart gekämpft hat. Das hat mich unglaublich inspiriert.“

Mentale Stärke, positives Denken wichtig für Biathleten

Positive Einstellung

So ging Fillon Maillet dann auch mit größerer mentaler Stärke und einer sehr positiven Einstellung in die Saison 2018-19. „Ich bin mit der Einstellung in die Saison gegangen, dass ich alles zu gewinnen und nichts zu verlieren habe. Ich war glücklich, jeden Tag auf Skiern stehen zu dürfen und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben. Diese Einstellung hat mir ein paar richtig gute Resultate beschert (3. in der Weltcup-Gesamtwertung, 2 Siege und 9 Podestplätze).“

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Jakov Fak: Siegertyp

Persönlichkeit macht viel aus. Manche Athletinnen und Athleten sind einfach von Natur aus mental stärker, was ihnen beim Siegen hilft. Trotzdem brauchen sie Unterstützung. Jakov Fak erholte sich von mehreren Saisons mit gesundheitlichen Problemen und Verletzungspech und schaffte es dann zu einer Silbermedaille in Pyeongchang. Die Medaille zu gewinnen war keine leichte Aufgabe, aber laut Trainer Uros Velepec hat Fak eine entscheidende geistige Eigenschaft. „Nie zuvor hat Jakov so hart gearbeitet wie für diese olympische Medaille. Er war bei den Winterspielen nicht in Bestform wie zu Anfang der Saison. Aber er hatte die richtige Haltung. Entweder man ist ein Siegertyp oder eben nicht. Das kann man nicht lernen. Er ist einer von denen, die ausziehen um zu siegen.“

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„Manchmal reichen wenige Worte, um das Blatt zu wenden“

Velepec fügt hinzu, dass einige wenige Worte, vor allem entspannte und positive, in einem Rennen den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen können.  „Es ist meine Aufgabe, das (den Erfolg) möglich zu machen. Jeder braucht einen Trainer, weil es einfacher ist, die Verantwortung gemeinsam zu tragen. Ich habe mich während meiner aktiven Karriere 10 Jahre lang selbst trainiert, und das ist wahnsinnig schwer. Nach einem schlechten Rennen kann man niemanden verantwortlich machen außer sich selbst, man kann mit niemandem reden und keiner hilft einem dabei, die Lösung zu finden. Es sind nicht immer die großen Dinge, manchmal reichen wenige Worte beim Mittagessen, um das Blatt zu wenden.“

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Mentale Stärke von Pichler

Ein starker Glaube an sich selbst und ein starkes Selbstbewusstsein machen einen Champion aus. Dieses Selbstvertrauen aufzubauen gehört für den inzwischen im Ruhestand befindlichen schwedischen Trainer Wolfgang Pichler immer zu Trainingsplan. Die Britin Amanda Lightfoot trainierte mehrere Jahre mit der schwedischen Mannschaft unter Pichler. Sie sagt: „Mit Wolfie zu arbeiten, kann manchmal schwierig sein, aber er holt aus jedem Athleten und jeder Athletin das Beste heraus. Er uns immer bis an unsere Grenzen getrieben... Ich habe gelernt, dass es eine Menge braucht, um bis an die Spitze zu kommen, und dass man wirklich sein ganzes Leben dem Biathlon widmen muss... Wenn er mir befohlen hätte, durch die Wand zu gehen, hätte ich es getan...  Die mentale Stärke, die er vermittelt hat, war phänomenal.“

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Der erfahrene Trainer, der immer detailgenau plant, übernahm eine junge schwedische Mannschaft, die bei den Winterspielen in Pyeongchang glänzte wie nie zu vor: Zwei Einzelmedaillen (Gold für Hanna Oeberg und Silber für Sebastian Samuelsson) und zwei Staffelmedaillen (Gold für die Frauen und Silber für die Männer). Neben einem passgenauen Trainingsplan hatten Pichler und sein Betreuerstab auch die mentalen Aspekte bei der jungen Mannschaft im Blick. Pichler sagt: „Wir haben alles richtig gemacht und sie mit einem eigenen Psychologen mental vorbereitet. Keiner konnte absehen, wie sie reagieren würden, weil es ihre ersten Winterspiele waren (mit Ausnahme von Fredrik Lindstrom).“

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Teamgeist

Mit Teamgeist und viel Zuspruch kämpfte die Mannschaft bis zum letzten Rennen. „Es war ganz wichtig, dass wir den Teamgeist bis zum Ende der Spiele am Leben hielten, als wir dann diese Goldmedaille (in der Staffel) gewannen. Meine Kernaufgabe war, den Teamgeist zu stärken. Wir haben gesagt, dass wir bis zur letzten Minute kämpfen werden. Wir hatten Sebastians Silbermedaille und Hannas Goldmedaille. Damit wäre normalerweise jede Mannschaft zufrieden gewesen. Ich habe sie so hart angetrieben und gesagt: ‚Ihr habt die Chance eures Lebens. Ihr seid fantastisch in Form, habt tolle Ski, seht jedes Rennen als riesige Chance.‘

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„Positive Einstellung“ entscheidender Aspekt​Mentale Unterstützung wie solche ist jetzt ein wichtiger Teil des Trainingsplans für viele Mannschaften. Der CEO des US Biathlon Max Cobb gesteht ein: „Das ist ganz anders als noch vor 20 Jahren. Wir haben im Laufe der Jahre erkannt, dass eine positive Einstellung ein entscheidender Aspekt für Glück und Zufriedenheit ist. Wir haben jahrelang nach dem perfekten Trainingssystem gesucht. Jetzt haben wir einen ausgeglicheneren Ansatz, das ist eine große Veränderung.“

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Kleine Dinge
Weiter sagt er: „Wir versuchen das Leben in den Trainingslagern mit kleinen Dingen zu verbessern, zum Beispiel indem ein Ernährungsberater während eines Trainingslagers besondere Mahlzeiten kocht, damit es nicht so eintönig ist. Es sind die kleinen Dinge, die dazu beitragen, dass die Athletinnen und Athleten mental fit bleiben. Unser Frauentrainer Armin Auchentaller ist auch sehr gut darin, die Sportlerinnen auch bei Laune zu halten, wenn sie hart arbeiten müssen, um die sportlichen Ziele zu erreichen.“ Weitere Unterstützung bieten die USA ihren Athletinnen und Athleten auch in Form des Psychologen des amerikanischen olympischen Komitees Sean McCann, der die Mannschat bei Rennen betreut, sowie einem Betreuer im Olympiastützpunkt in Lake Placid, wo wir trainieren. Das Wichtigste ist, dass wir unseren Athletinnen und Athleten dabei helfen, ein glückliches und ausgewogenes Leben zu führen.“

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