Neue Innovationen im IBU Cup

Neue Innovationen im IBU Cup

In den vergangenen Jahren entwickelte sich der IBU Cup zum hauseigenen Biathlon-Laboratorium, in dem regelmäßig neue Wettkampfformate getestet wurden. In der Saison 2017/18 versuchten sich Athleten erstmals im Supersprint; in der darauffolgenden Saison wurden gleich drei neue Disziplinen eingeführt: der Kurze Einzel, die Mixed-Staffel mit veränderter Startreihenfolge und der Massenstart 60.

Derartige Innovationen garantieren nicht nur mehr Spannung und Unterhaltungswert im Biathlon, sondern ermöglichen es mehr Athleten als jemals zuvor, in die vorderen Ränge zu laufen. Das zeigen auch die Ergebnisse der vergangenen Saison: Insgesamt standen bei 20 Einzelwettkämpfen im IBU Cup 33 Herren und 32 Damen auf dem Treppchen. In zwei Supersprints, einem Massenstart 60 und einem Kurzen Einzel schafften es 21 verschiedene Athleten in die Top 3.

Neue Innovationen im IBU Cup

Schnell schießen, schneller laufen

Von allen neuen Disziplinen wurde der Supersprint als erstes getestet – und zwar im Saisonfinale im März 2018. Danach wurde das Rennen vom Technischen Komitee der IBU ausgewertet. Unter Einbeziehung von Vorschlägen der einzelnen Biathlonteams und dem Ziel, das neue Format bestmöglich zu gestalten und zu präsentieren, wurden die Originalregeln leicht verändert. So wurde die Streckenlänge in der Qualifikation und dem Finale auf maximal 3km bzw. 5km verlängert, während die Anzahl der Nachlader auf nur eine Extrapatrone pro Schießdurchgang verringert wurde.

Viele Athleten meinten, dass dieses kurze Wettkampfformat zwar viel Spaß mache, aber gleichzeitig sehr anstrengend und nicht so leicht sei, wie es wirke. Victoria Slivko aus Russland, die Gewinnerin der IBU-Cup-Gesamtwertung der letzten Saison, hat alle neuen Disziplinen getestet. Sie sagte danach, dass sie alle Wettkampfformate mag, doch der Supersprint sei aufgrund seiner Spannung und Unvorhersehbarkeit ihr neuer Favorit.

Neue Innovationen im IBU Cup

Der ehemalige deutsche Biathlet und Olympiasieger Peter Sendel, der nun die Damenmannschaft im IBU Cup trainiert, sieht ebenfalls viele Vorteile in den neuen Disziplinen.

Neue Innovationen im IBU Cup

Flexibles Wettkampfprogramm

Einige der neuen Formate, wie z. B. der Kurze Einzel, wurden konzipiert, um extremen Witterungsbedingungen zu trotzen und das Wettkampfprogramm noch flexibler zu gestalten. Der Kurze Einzel weicht in Streckenlänge und Strafzeit vom Originaleinzel ab: Die Herren laufen nur 15 km, die Damen nur 12,5 km. Die Strafzeit beträgt für beide jeweils 45 Sekunden.

Auch Yuliia Zhuravok aus der Ukraine, die erste Siegerin im Kurzen Einzel, der im Januar 2019 im IBU Cup in Arber stattfand, hob die Disziplin als gute Alternative für extreme Witterungsbedingungen hervor.

Neue Innovationen im IBU Cup

Bereits drei Wochen später, am 07. Februar 2019, musste die neue Disziplin im BMW IBU Weltcup beweisen, dass sie nicht zu hoch gelobt worden war. Der Kurze Einzel war eine perfekte Alternative für die extrem kalten Temperaturen und rettet den Wettkampftag. Johannes Thingnes Boe sicherte sich den ersten Weltcupsieg in dieser neuen Disziplin und war voll des Lobes für dieses innovative Wettkampfformat.

Mögliche Veränderungen

Die Gemischte Staffel mit veränderter Startreihenfolge – die Herren beginnen das Rennen und die Damen laufen auf den Positionen drei und vier – wurde letzte Saison ebenfalls auf allen drei Ebenen eingeführt. Slivko war eine der weiblichen Schlussläuferinnen und sagte, dass sie vor der Mixed-Staffel beim IBU Cup in Lenzerheide aufgrund der neuen Verantwortung ziemlich nervös gewesen war. Doch nachdem sie die Ziellinie als Erste überquert und Russland den Sieg gesichert hatte, sagte sie, dass die Neuerung sehr interessant sei und auf alle Fälle im Wettkampfprogramm bleiben müsse.

IBU Sportdirektor Felix Bitterling analysierte die Mixed-Staffel mit geänderter Startreihenfolge aus technischer Sicht und meinte, dass alles gut gelaufen sei. Es könnte allerdings noch zu einer weiteren Veränderung kommen, wenn der Kongress zustimmt: „Wir schlagen vor, dass in der Mixed-Staffel die gleiche Streckenlänge von Männern und Frauen gelaufen werden soll. Das bedeutet, dass die Herren nur 2 km laufen, wenn die Damen das Rennen eröffnen, und die Damen 2,5 km laufen, wenn die Herren das Rennen eröffnen. So sollen mögliche Probleme vermieden werden, wenn innerhalb eines Wettkampfes zwei unterschiedliche Streckenverläufe ausgeschrieben werden müssen.“

Neue Innovationen im IBU Cup

Anfängliche Skepsis

Das dritte neue Wettkampfformat, der Massenstart 60, wurde am letzten Wettkampftag der Saison 2018/19 beim IBU Cup in Martell eingeführt. Der Vorteil der neuen Disziplin ist, dass sie einem größeren Athletenfeld in der zweiten und dritten Biathlonliga ermöglicht, Erfahrungen in Rennen zu sammeln, bei denen es heißt: Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau. Obwohl einige Teams befürchteten, dass einiges schief laufen würde, wenn derart viele Athleten gleichzeitig starten, kam es laut Sendel zu keinen größeren Problemen: „In Martell konnten wir sehen, dass der Massenstart 60 gut funktioniert. Ich denke, er bietet uns die perfekte Möglichkeit, in Zukunft auch im IBU Cup eine Massenstartwertung zu haben.“

Bitterling gab zu, dass die Teams neuen Disziplinen nicht immer aufgeschlossen gegenüberstehen, aber später oftmals ihre Meinung ändern. „Wie bei den meisten neuen Formaten waren die Athleten und Trainer auch in diesem Fall skeptisch. Doch wir erhielten nach dem Testlauf positives Feedback. Die Teams konnten die Vorteile sehen, so z. B. beim ersten Kurzen Einzel im Weltcup in Canmore.“ Genau darum geht es in den Testrennen, die vor allem nötige nachträgliche Änderungen aufzeigen sollen, sodass letztendlich die interessantesten und besten Wettkampfformate für die Athleten zu kreieren.

Erfahrung sammeln

In der kommenden Saison stehen zwei Supersprints, zwei Kurze Einzel und zwei Massenstarts 60 auf dem Wettkampfprogramm des IBU Cups. Auch die Junioren bekommen eine Chance, den Supersprint auszuprobieren. Die Mixed-Staffel mit geänderter Startreihenfolge wird auf allen drei Ebenen getestet.

IBU Sportdirektor Bitterling erklärt das Programm:

Neue Innovationen im IBU Cup

„Nach den erfolgreichen Testläufen ist es natürlich möglich, dass wir die neuen Formate auch von Zeit zu Zeit im Weltcup erleben werden. Der Biathlonsport muss sich zukünftig immer weiter entwickeln. Das Erfolgsrezept ist dabei, die richtige Balance zwischen traditionellen Disziplinen, die Biathlon erst erfolgreich gemacht haben, und den neuen Wettkampfformaten zu finden, die sich vielleicht als Schlüsselkomponenten für die Zukunft des Biathlonsports erweisen werden.“

Fotos: IBU archive

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