Norwegen räumt ab wie nie zuvor: Fünfmal Mannschaftskristall

Norwegen räumt ab wie nie zuvor: Fünfmal Mannschaftskristall

Die meiste Aufmerksamkeit erhielten beim Saisonabschluss des BMW IBU Weltcup in Oslo die Gewinner der großen Kristallkugeln für den Sieg im Gesamtweltcup, Johannes Thingnes Boe und Dorothea Wierer. Was zwischen Johannes‘ Hattrick in Oslo und seinem Sieg im Gesamtweltcup plus allen Disziplincups etwas unterging war ein historischer Meilenstein, den die norwegische Mannschaft erreichte: Zum ersten Mal gewann ein Land alle Kristallkugeln in den Mannschaftswertungen.

Norwegen räumt ab wie nie zuvor: Fünfmal Mannschaftskristall
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Dominanz in Kristall
Seit die vier Mannschaftswertungen eingeführt wurden, ist es keiner Mannschaft gelungen, alle fünf Kristallkugeln abzuräumen: Staffel Männer, Staffel Frauen und Nationenwertungen für Frauen und Männer, eingeführt in der Saison 2000-01 und die gemischte Staffel seit 2011. Noch nie hat eine Mannschaft so eine Saison dominiert. Zum Ende jeder Saison werden fünfzehn Kristallkugeln vergeben: Je fünf bei den Männern und den Frauen sowie fünf für die Mannschaften. Zehn dieser fünfzehn aus der Saison 2018-19 sind jetzt in Norwegen.

Norwegen räumt ab wie nie zuvor: Fünfmal Mannschaftskristall
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Männer: 13 von 19 Nationencups

Die Männer sind seit Beginn des 21. Jahrhunderts schon immer ganz oben im Nationencup unterwegs und haben dreizehn von neunzehn Titeln gewonnen. Die Frauen hingegen haben nur zwei der Nationencup-Kristallkugeln gewinnen können, in der Tora-Berger-Ära 2013 und 2014. Ihr Sieg in der Nationenwertung war der Schlüssel zu dieser Meisterleistung.

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Große Fortschritte

Der Frauenkader hatte in dieser Saison im Vergleich zum Vorjahr deutliche Fortschritte gemacht. 2017-18 waren sie in der Nationenwertung noch Fünfte und in der Weltcup-Staffelwertung noch Siebte geworden, nun gewannen sie in beiden Wertungen. Marte Olsbu Røiseland mit einem 14. Rang und Tiril Eckhoff auf Rang 23 waren in der Weltcup-Gesamtwertung der Saison 2017-18 die beiden bestplatzierten Norwegerinnen gewesen. In der gerade beendeten Saison wurden Olsbu Røiseland, Ingrid Landmark Tandrevold und Eckhoff 4., 11. und 13. Auch ihre Staffelresultate verbesserten sich von null Podestplätzen und Platz 4 als Bestleistung auf einen Sieg und zwei zweite Plätze in diesem Jahr.

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Trainer und Verbesserungen als Erfolgstreiber bei den Frauen

Der Sieg in der Nationenwertung war hart erkämpft: Sie gewannen nach 24 Rennen mit 7430 Punkten vor Deutschland mit 7371 - ein Vorsprung von gerade einmal 59 Punkten. Mehrere Faktoren trugen zum Erfolg bei, angefangen mit dem Einstieg von Patrick Oberegger als Cheftrainer. Obereggers Enthusiasmus und positive Einstellung legten die Grundlage für deutliche Verbesserungen bei Olsbu Røiseland und Tandrevold und die Rückkehr der hochtalentierten Eckhoff. Olsbu Røiseland war von Nove Mesto bis zum Saisonende mit drei Einzelsiegen, 13 Top-10-Platzierungen und drei IBU WM-Goldmedaillen mit Staffeln die Schlüsselfigur. Zu der guten Saison sagte sie, sie habe „nur ein weiteres Jahr trainiert, und körperlich läuft es für mich in diesem Jahr sehr gut.“ Auch die 22-jährige Tandrevold trug mit Sprintsilber bei der IBU WM und ersten Podestplätzen im Weltcup gehörig zum Fortschritt der Mannschaft bei. Eckhoff schaffte ein erneutes Comeback, gewann ihr erstes Einzelrennen in Canmore, schnappte sich noch IBU WM-Silber in der Verfolgung und zweimal Staffelgold und lieferte auch insgesamt sechs sehr solide Wochen vor Saisonende ab.

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Staffeltitel

Auch beim Staffeltitel verwiesen sie mit 8 Punkten Vorsprung und einer Gesamtpunktzahl von 249 Zählern die deutschen Damen auf Rang zwei, die die Staffeln in den letzten Saisons dominiert hatten. Für Norwegen war es erst der dritte Sieg in neunzehn Saisons. Auch wenn es am Schießstand immer schwierig zu sein schien, außer am schützenfreundlichen Schießstand von Ruhpolding, wo sie mit sieben Nachladern davonkamen, nutzten die Norwegerinnen erfolgreich ihre Stärke auf der Strecke, um der Konkurrenz davonzulaufen. Olsbu Røiseland zauberte einige phänomenale Schlussrunden in den Schnee. Am Ende waren es dann aber doch ihre Schießkünste, die den Frauen IBU WM-Gold einbrachte. Sie setzte fünf Treffer im letzten Stehendanschlag, während die sonst unbeirrbare Hanna Oeberg drei Nachlader brauchte. Die Norwegerin sagte: „Ich habe Hanna schießen sehen und sie musste nachladen, und dann bin ich einfach losgelaufen.“

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„Eine große, glückliche Familie“

Tandrevold und Eckhoff fassten nach dieser Staffel die erfolgreiche Saison des Teams zusammen. Eckhoff sagte: „Es bedeutet, dass wir...“ und Tandrevold setzte fort „eine große, glückliche Familie sind.“ Ihre Mannschaftskameradin fügte noch hinzu: „Ich bin extrem glücklich darüber, dass ich zu diesem Team mit diesen Mädels dazugehöre.“

Norwegen räumt ab wie nie zuvor: Fünfmal Mannschaftskristall
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Johannes, Tarjei und Co Treiber im Nationencup
Für die norwegischen Männer ist der Sieg in der Nationenwertung ein alter Hut. In dieser Saison war es allerdings ein wirklich vernichtender Sieg mit 8147 Punkten vor Frankreich mit 7598. Ein Erfolgsfaktor war natürlich Johannes‘ dominante Saison, aber auch die Männer in der zweiten Reihe trugen mit fulminanten Staffelauftritten gegen Saisonende zum Sieg bei. In unserer Saisonvorschau im November schrieben wir noch: „Für die (norwegischen) Männer ist die Herausforderung ganz klar: Johannes Thingnes Boe muss um Podestplätze kämpfen, sein Bruder Tarjei muss gesund bleiben und dann müssen ein paar andere Kandidaten regelmäßig in Podestnähe kommen.“ Genau darauf lief es auch hinaus. Mit 16 Siegen war Johannes Kampf um Podestplätze mehr als erfolgreich. Tarjei konnte eine solide und gesunde Saison laufen, stand viermal im Weltcup auf dem Podest, gewann zwei IBU OEM-Goldmedaillen, IBU WM-Bronze über die 20 km und schaffte es zum Schluss auf Platz 6 in der Weltcup-Gesamtwertung. Vetle Sjaastad Christiansen zeigte mit einem Weltcupsieg, drei weiteren Podestplätzen, Gold mit der Staffel und der gemischten Staffel endlich sein ganzes Weltcup-Können, kam auf eine Trefferquote von beeindruckenden 88 % und wurde 13. in der Gesamtwertung. Mit Rang 16 in der Gesamtwertung gelang auch Erlend Bjöntegaard eine neue Bestleistung. Die durchgehenden Staffelerfolge in der Saison setzten dem neusten norwegischen Titel in der Nationenwertung noch das Sahnehäubchen auf.

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Staffelexperten
Die norwegischen Männer sind als Staffelexperten bekannt und haben die Weltcup-Staffelwertung in drei der vergangenen vier Jahre gewonnen. In diesem Jahr landeten sie mit 270 Punkten vor Russland mit 236. Im Verlaufe der Saison wurden die Norweger immer stärker, gewannen die drei letzten Rennen in Ruhpolding und Canmore und krönten das Ganze mit dem IBU WM-Titel. Dieser Titelkampf bei der WM war eine besondere Glanzleistung, denn sie gewannen mit sechs Nachladern und 38,1 Sekunden Vorsprung vor Deutschland, getragen von den Boe-Brüdern, die den Rivalen gnadenlos davonliefen. Lars Helge Birkeland, wie immer eine Bank, legte mit nur einem Nachlader eine solide Basis und übergab mit 9 Sekunden Rückstand. Christiansen kam ganz ohne Fehler durch und hatte bei Wechsel auf Tarjei nur noch 1,3 Sekunden Rückstand. Beide Boe-Brüder brauchten Nachlader im Stehendanschlag, aber dank eines ordentlichen Vorsprungs war die Führung nie in Gefahr, und Johannes lief mit wehender norwegischer Fahne zu WM-Gold und zum sechsten IBU WM-Titel seit 2009. Tarjei war in fünf dieser sechs siegreichen Staffeln dabei gewesen.

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Dynamisches Duo für gemischte Staffeln
Die beiden gemischten Staffeln bei der IBU WM waren das Zünglein an der Waage im Kampf um diese Kristallkugel. Beide gemischte Staffeln waren zum ersten Mal im IBU WM-Programm dabei und vor allem für unterschiedliche Tage angesetzt. Damit konnten die Norweger ihre zwei Joker, Johannes und Olsbu Røiseland, in beiden Rennen einsetzen. Das Resultat: zwei Siege. Kein anderes Team konnte mit diesem dynamischen Duo mithalten. Der Punktestand nach der Single-Mixed-Staffel: Norwegen 306, Frankreich 281. Nach dem Sieg erklärte Olsbu Røiseland: „Auf der ersten Runde hatte ich am Schießstand ein bisschen zu kämpfen, aber mein letztes Schießen war gut. Johannes war heute echt Klasse!“ Johannes witzelte dann: „Wie ein Spiegel sage ich genau das Gleiche!“

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Fantastische Saison
Diese Siegesserie bei den Mannschafts-Kristallkugeln haben die Norweger vor allem diesen beiden Athleten zu verdanken: Johannes und Marte. Mit ihren herausragenden persönlichen Leistungen haben sie für ihre Mannschaftskameraden die Messlatte hochgelegt, den Grundstein für die Staffelsiege bei der IBU WM gelegt und die unvergleichlichen fünf Titel möglich gemacht, mit denen die Norweger eine herausragende Saison abgeschlossen haben. Herzlichen Glückwunsch nach Norwegen!

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