Olympiatag: Meine erste Olympiamedaille mit Martin, Dasha und Simon

Olympiatag: Meine erste Olympiamedaille mit Martin, Dasha und Simon

Jeder Biathlet träumt von der Krönung seiner sportlichen Karriere: einer Medaille bei den Olympischen Winterspielen. Sie ist die Erfüllung eines lebenslang gehegten Traums, ein großer Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Doch nur wenige Auserwählte schaffen es, eine dieser begehrten Trophäen zu erringen. Zur Feier des Olympiatags erzählen uns Martin Fourcade, Darya Domracheva und Simon Eder wie es war, ihre jeweils erste Olympiamedaille bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver zu gewinnen.

Olympiatag: Meine erste Olympiamedaille mit Martin, Dasha und Simon

Martin Fourcade: „Kein Druck“

Martin Fourcade wurde vor Vancouver nicht als großer Medaillenkandidat gehandelt. Sein Bruder Simon führte die Weltcupgesamtwertung an, Vincent Defrasne war der Titelverteidiger in der Verfolgung. „Alle Augen waren auf sie gerichtet. Und im Sprint holte sich Vincent Jay Olympiagold… Ich war über meine Leistung im Sprint enttäuscht (Platz 35), weil ich die gesamte Saison über gute Ergebnisse in dieser Disziplin gezeigt hatte. Ich hatte mir wirklich Chancen ausgerechnet. Ich wurde von manchen als Geheimtipp gehandelt, aber ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt unter Druck.“

Von Platz 28 zur Silbermedaille

 Das Massenstartrennen ging nicht gut los. Fourcade schoss beim ersten Liegendanschlag zwei Strafrunden. „Nach dem ersten Liegendschießen lag ich auf Rang 28 und war wirklich enttäuscht. Schließlich war das meine letzte Chance auf eine Medaille. Ich ging geknickt und ohne jegliche Erwartungen an das weitere Rennen vom Schießstand weg. Klemen Bauer überholte mich und ich heftete mich an seine Fersen. Rund um Runde machten wir Boden gut. Ich sah, wie langsam die Führungsgruppe unterwegs war und entschied, auf Angriff zu laufen. Obwohl ich den letzten Schuss daneben setzte, war der Gewinn der Silbermedaille wie ein Olympiasieg für mich.“

Olympiatag: Meine erste Olympiamedaille mit Martin, Dasha und Simon

Hommage an Simon

Im Ziel: „Erst habe ich gar nicht realisiert, was passiert war. Ich stand unter Schock. Als mein Bruder Simon ins Ziel kam, sagte ich ihm, dass wir uns diese Olympiamedaille teilen, weil er mein Vorbild und der Grund war, warum ich mit Biathlon begonnen hatte. Er gratulierte mir und sagte, ich solle den Moment genießen. Der restliche Tag war absolut verrückt: Die Medaillenzeremonie war nicht so toll, weil ich meinen Bruder in der Menge sah und auf seinem Gesicht die Enttäuschung über seine olympischen Leistungen ablesen konnte. Dennoch erinnere ich mich an jedes Detail dieses Tages. Sogar genauer, als an all meine Goldmedaillen, weil diese Silbermedaille meine erste Medaille überhaupt gewesen ist. Sie entfachte in mir den Hunger nach mehr. Mir wurde bewusste, dass diese Medaille nur ein Schritt in die richtige Richtung war. In Sotschi wollte ich Gold gewinnen. Das kostete mich vier Jahre harter Arbeit, Blut und Schweiß.“

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Motivation
Die Medaille von Vancouver hat den Mann, der mittlerweile fünf olympische Goldmedaillen im Trophäenschrank hat, über die Maßen geprägt. „Ich denke, diese Medaille allein reichte aus, um mich die kommenden zwei Jahre zu motivieren. Es ist leicht, etwas zu wollen, wenn man genau weiß, was es ist. Von diesem Tag an wusste ich, wie es sich anfühlte, an der Spitze des Biathlonsports zu stehen, zumindest fast… Und ich wusste, dass ich genau dieses Gefühl immer wieder erleben wollte.“

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Darya Domracheva: Harte erkämpfte Bronzemedaille

Vor den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver hatte die damals 23-jährige Darya Domracheva gerade erst zweimal auf einem Weltcuppodium gestanden und nur wenige fehlerfreie Rennen absolviert. Doch die talentierte Skiläuferin Domracheva hat mit ihrem Trainer Claus Siebert hart gearbeitet, vor allem am Schießstand. Der aufgehende Stern am weißrussischen Biathlonhimmel wurde als Geheimtipp gehandelt. „Vor Olympia meinten viele Leute, dass diese Rennen unheimlich wichtig seien und ich doch nervös sein müsste. Aber ich habe keinen Druck gespürt. Es war einfach wie jede andere Wettkampfwoche.“

Im Sprint lieb sie fehlerfrei, wurde aber nur Achte. Im Einzel über 15 km wurde dann aus der vielversprechenden jungen Athletin eine blitzschnelle, fast perfekt schießende (19 von 20) olympische Bronzemedaillengewinnerin. „Als mir klar wurde, dass ich eine Medaille gewonnen hatte, war mein erster Gedanke: ‚Ja, ich hab’s geschafft!‘ Die harte Arbeit hatte sich mehr als gelohnt.“

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Träume werden wahr

Domracheva wurde ihr Bronzeerfolg sogar angekündigt. „Normalerweise denke ich nicht über Platzierungen oder Medaillen nach. Doch am Tag vor dem Rennen bekam ich eine E-Mail von einem Fan, der mir schrieb, ich solle stark sein. Er hatte davon geträumt, dass ich Bronze gewinnen würde. Und dieser Traum ist tatsächlich wahr geworden.“

Familienbande
Die erste von insgesamt sechs Olympiamedaillen war ein emotionales Erlebnis der besonderen Art. „Meine Familie hat sich riesig gefreut. Meine Mutter hat vor Glück geschrien. Sie war so froh. Ich habe die Medaille meinem Vater gewidmet, der nicht bei uns sein konnte. Er hat in meiner Biathlonkarriere und meinem Leben eine entscheidende Rolle gespielt. Er war immer für mich da. Diese Medaille war für ihn.“

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*
Richtige Entscheidung
*
Ihre ersten Olympischen Spiele waren Dashas Sprungbrett zu ihrem ersten Weltcupsieg in Kontiolahti nur wenige Wochen später. Die weißrussische Starathletin beendete ihre Karriere mit einer weiteren olympischen Goldmedaille, als sie die weißrussische Damenstaffel in Pyeongchang als Schlussläuferin zum Sieg führte. Sie ist damit die Biathletin mit den meisten Medaillen in der olympischen Geschichte dieses Sports. „Es war unglaublich, als ich erfuhr, dass ich die erfolgreichste Biathletin in der Olympiageschichte bin… Das bedeutet, dass meine Entscheidung, mit Biathlon zu beginnen, absolut richtig war.“

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Simon Eders Staffelsilber aus Vancouver
Simon Eder und seine Mannschaftskameraden fuhren mit großen Erwartungen nach Vancouver. Die Österreicher hatten 2009 Staffelsilber bei der IBU Weltmeisterschaft gewonnen und sich vor Vancouver einen Staffelsieg im Weltcup erkämpft. Eder hatte vor Olympia in der Verfolgung zweimal auf dem Podest gestanden. „Wir zählten zu den Favoriten, aber im Biathlon ist alles möglich. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM in Pyeongchang lastete viel Druck auf uns. Ich war erst 26 und sehr nervös, vor allem in der Staffel. Einige der Jungs waren vor dem Staffelrennen nicht topfit, aber wir waren alle super in Form und wollten das Beste aus diesem Rennen herausholen.“

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Vollgas und eine feste Umarmung
Eder war der Startläufer dieses immens wichtigen Staffelrennens. „Ich wusste, es war meine letzte Chance auf eine Medaille. Ich spürte den Druck, obwohl Olympia ziemlich gut gelaufen war (mit Platz 4 in der Verfolgung und Platz 6 im Einzel). Ich entschloss mich, vom ersten Meter an Vollgas zu geben und das Rennen von vorn zu bestreiten. Ich wollte das Rennen selbst in die Hand nehmen und übergab schließlich als Zweiter.“ Die Medaillenträume gerieten ins Wanken, als der sonst so zuverlässige Christoph Sumann seine ersten drei Liegendschüsse daneben setzte und sogar in die Strafrunde musste. „Es war eigentlich ziemlich komisch. Wir waren in der Wachskabine und sahen zu, wie Daniel Mesotitsch schon sein Trikot für die Blumenzeremonie anzog, bevor Sumi zum Liegendschießen kam. Ich meinte: ‚Warte lieber noch ein bisschen. Im Biathlon kann alles passieren‘. Aber Sumi war stehend eine Bank. Er blieb fehlerfrei und unsere Hoffnung kehrte zurück. Die letzte Runde war der Wahnsinn: Erst kollidierten er und (Evgeny) Ustyugov, doch dann schaffte es Sumi im Zielsprint, die Medaille zu erkämpfen. Ich war der erste, der ihn im Ziel umarmte. Nachdem ich in den anderen Rennen knapp an Edelmetall vorbeigeschrammt war, drückte ich ihn so fest, als wäre er meine Mutter oder meine Frau!“

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Olympische Magie

Die Olympischen Spiele sind auch heute noch für den 36-jährigen Eder und seine Familie etwas ganz Besonderes. „Als Kind habe ich die Spiele in Lillehammer gesehen. Es war magisch. Der Gewinn einer Olympiamedaille war mein Kindheitstraum. Als er in Erfüllung ging, machte mich das zu einem noch zufriedeneren Menschen. Die Medaille hängt zu Hause bei meinem Vater Alfred. Er hat so eine große Rolle bei all meinen Erfolgen gespielt. Er wurde damals bei den Spielen in Calgary Vierter mit der Staffel. Daher freut er sich umso mehr über diese Medaille. Alle unsere Medaillen hängen bei ihm. Das ist der perfekte Ort dafür.“

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Unbezahlbare Momente
Obwohl alle drei Athleten im Laufe ihrer Karriere noch weitere Olympiamedaillen gewannen, ist der Gewinn der ersten olympischen Medaille der wohl alles definierende Olympiamoment… unbezahlbar und unvergesslich, ein Moment für die ganze Familie.

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