#Ostersund2019 (Teil 2) Johannes und Marte: Norwegische Dominanz im Highlights-Video

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Zwei der letzten drei Wettkampftage in Östersund waren eine Fortsetzung derselben Serie: Norwegen siegte in der einfachen gemischten Staffel, der Männer- und der Frauenstaffel, womit sie alle Mannschaftsdisziplinen für sich entscheiden konnten. Dann kam dieser mehr als verschneite Sonntagnachmittag, und plötzlich gab es da Sieger deutlich weiter aus dem Süden, denn Dorothea Wierer und Dominik Windisch holten gleich zwei Goldmedaillen nach Italien.

Teil 2 dieser Zusammenfassung der IBU Weltmeisterschaften 2019 beleuchtet alles zwischen Johannes‘ und Martes Goldmedaille in der einfachen gemischten Staffel und Windischs sagenhaftem Sprung von Platz 13 zu Massenstart-Gold.

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Marte plus Johannes gleich Gold in der Single Mixed Staffel

Für die einfache gemischte Staffel schickte Norwegen seine zwei Besten ins Rennen: Marte Olsbu Røiseland und Johannes Thingnes Boe. Beide liefen schnell; Johannes blieb auf seiner zweiten Runde ohne Fehler. Game Over, Sieg für Norwegen, die damit in beiden gemischten Staffeln 2019 die Goldmedaillen gewonnen hatten. Dieser packende Wettkampf wurde von den Schlussläufern entschieden, im Dreikampf zwischen Johannes, Hofer und dem jungen Sebastian Samuelsson von der Heimmannschaft. Das Trio lief im Gleichschritt zum letzten Stehendschießen. Johannes schoss sich mit fünf Treffern zum Sieg, während Hofer ein Nachlader noch zu Silber reichte. Später sagte er: „Ein Schuss zu viel.“ Samuelsson brauchte noch einen Nachlader, konnte aber Bronze absichern.

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Johannes „wirklich klasse“

Der Norweger hatte noch genug Zeit, sich eine Flagge zu schnappen, damit stolz ins Ziel einzulaufen und dort direkt seiner Partnerin in die Arme zu fallen. Auch Hofer freute sich sichtlich beim Zieleinlauf, und noch lauter johlte das heimische Publikum natürlich, als Samuelsson zu Bronze über die Linie ging. Nachdem sie den ersten IBU WM-Titel aller Zeiten in der einfachen gemischten Staffel gewonnen hatte, sagte Olsbu Røiseland: „Johannes war heute wirklich klasse!“

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Selbstsicherheit und Inspiration
Über ihr Silber-Duo sagte Wierer: „Wir wissen, dass wir ein echt gutes Team sein können, aber es hängt von unserem Schießen ab. Wir waren heute selbstsicher.“ Samuelsson war überaus begeistert von Bronze und nannte die Schlussrunde „eine wirklich inspirierende Gelegenheit, gegen Luki und Johannes anzutreten; es war ein toller Kampf.  Das war ein toller Tag. Das hat echt Spaß gemacht, das hier in Östersund zu schaffen. Das war fantastisch!“

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Staffel-Brillanz
Die Staffelsiege der norwegischen Männer und Frauen waren ziemlich spektakulär: Die Männer hängten die Konkurrenz mit einer unglaublichen Leichtigkeit ab, und bei den Frauen stellte Olsbu Røiseland die sonst so treffsichere Hanna Oeberg nicht nur am Schießstand in den Schatten, sondern lief ihr auch noch davon. 

Die Norwegerinnen waren zwar vielleicht nicht als Favoritinnen für den Sieg an den Start gegangen, aber definitiv als Medaillenkandidatinnen. In dieser Konstellation hatten sie es im vergangenen Jahr bei den Olympischen Winterspielen mit drei Strafrunden auf Platz vier geschafft, doch in dieser Saison brauchten sie bei ihrem zweiten Platz in Ruhpolding vor acht Wochen gerade einmal sieben Nachlader. Das Team, das hier an den Start ging, lieferte eine Mischung aus beidem. Tiril Eckhoff drehte eine Strafrunde, aber vier der sechs anderen Schießen gingen ohne Nachlader über die Bühne, sodass sie nur fünf Nachlader brauchten. Vor allem Olsbu Røiseland brillierte als Schlussläuferin. Oeberg kam mit 21 Sekunden Vorsprung vor dem norwegischen Team zum letzten Stehendschießen. Dann brauchte sie alle drei Nachlader, um ihre Scheiben zu schließen, während Olsbu Røiseland mit fünf Schuss alles traf machte und mit einem deutlichen Vorsprung von 12 Sekunden auf die Strecke ging. Damit war das Rennen entschieden. Die mit olympischem Sprint-Silber dekorierte Olsbu Røiseland, die in dieser Saison die Meisterin der letzten Runde zu sein scheint, flog über die Strecke und baute den Vorsprung für Gold auf 23,4 Sekunden aus. Sie war erleichtert, als sie Oebergs verfehlte Scheiben sah. „Ich habe Hanna schießen sehen und sie musste nachladen, und dann bin ich einfach losgelaufen. Ich bin so froh, dass ich als Erste rausgegangen bin.“

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Respektable Silbermedaille; Bronze mit 14 Nachladern an die Ukraine verschenkt

Die Heimmannschaft konnte immerhin noch eine respektable Silbermedaille mitnehmen. Die schwedische Schlussläuferin konnte die Fehler nicht erklären. „Ich glaube, dass mir heute einfach ein paar Prozentpunkte Konzentration gefehlt haben. Ich kann gerade gar nicht sagen warum...“ Deutschland brauchte einen Nachlader nach dem nächsten, insgesamt 14, und schenkte den Ukrainern mit fünf Nachladern praktisch die Bronzemedaille, trotz Laura Dahlmeiers spektakulärer letzter Runde.

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Die beste Mannschaft: Johannes und Co.

Am Samstagnachmittag waren Johannes und Co. offensichtlich die beste Mannschaft. Birkeland war stabil, Christiansen perfekt und Tarjei fantastisch, sodass Johannes nur noch das Ausrufezeichen hinter den Sieg setzen musste. Im Stehendanschlag ist er allerdings in letzter Zeit nicht besonders zuverlässig, was sich auch hier wieder zeigte. Er brauchte alle drei Nachlader, um seine Scheiben zu treffen, aber bis auf Alexander Loginov verfehlten auch alle anderen. Johannes lief mit einem breiten Grinsen über die letzte Runde, bremste hier und da ab, um zu winken, schnappte sich 400 Meter vor dem Ziel die norwegische Fahne und kam immer noch 38 Sekunden vor dem Deutschen Benedikt Doll ins Ziel.

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Doll: „Hätte nie gedacht, dass Fourcade dreimal verfehlt“
Nachdem Martin Fourcade mit zwei Strafrunden aus dem Rennen gefallen war, rückte Doll von Bronze auf Silber vor, und auch Loginov nutzte den französischen Fauxpas, um Russland Bronze zu sichern. Doll kam auf dem Bronzerang zum Stehendschießen und erklärte später: „Ich habe gedacht, Bronze ist ja ziemlich sicher. Ich bin selbstsicher und zuversichtlich an den Schießstand gegangen. Da musste ich Martin ein bisschen unter Druck setzen und schnell schießen. Ich glaube, deswegen ist er ein bisschen nervös geworden. Ich habe gesehen, dass er dreimal verfehlt hat. Ich hätte nie gedacht, dass er bei den ersten fünf Schuss dreimal verfehlt!“

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Slowenische Überraschung
Die größte Überraschung des Tages kam aus Slowenien. Das Team wurde Fünfte, für sie das beste Staffelergebnis seit 2011. 

Mit dem Triumph der norwegischen Männer hatten sie den Medaillensatz aus den vier Teamwettbewerben komplett. Keine andere Mannschaft hatte die Tiefe, mitzuhalten oder anzugreifen. Bei der Siegerehrung johlten die Fans vor Begeisterung, und die Mannschaft aß zum wiederholten Male in Östersund Kuchen. Sie konnten da noch nicht ahnen, dass sich das Blatt am letzten Tag der Weltmeisterschaften noch zugunsten Italiens wenden sollte.

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Doro trumpft auf
Der nächste Morgen begrüßte das Massenstart-Feld mit Schnee und Wind. Damit waren die Strecken langsam und die Chancen auf endlose Strafrunden groß. Dorothea Wierer hatte wegen Magenproblemen auf die Staffel verzichten müssen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie zwei Medaillen gewonnen: Silber mit der einfachen gemischten Staffel und Bronze mit der gemischten Staffel. Nur für eine Einzelmedaille hatte es in diesem Jahr noch nicht gereicht, und bisher auch erst einmal in ihrer Karriere. Auf den Skiern schlug sie sich gut, nur mit dem Schießen klappte es nicht so recht. Plötzlich traf sie dann fünfzehnmal in Folge und führte das Massenstartfeld an. „Heute (vor dem Start) habe ich nur darüber nachgedacht, mit den Rennen hier fertigzuwerden. Nach dem dritten Schießen mit null Fehlern wusste ich, dass ich es schaffen kann. Beim letzten Schießen war ich sehr nervös. Sie leistete sich zwei Fehler und lief die letzte Runde wie von der Tarantel gestochen, denn „ich war mir nicht sicher, ob Ekaterina und Denise mich nicht noch einholen, deswegen war es eine harte letzte Runde.“ Bei heftigem Schneefall ging sie über die Ziellinie, siegte und wurde damit die erste Italienerin, die bei IBU Weltmeisterschaften eine Medaille holte und damit auch einen kompletten Satz von IBU WM-Medaillen in diesem Jahr. Ein Ende wie im Märchen.

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Gutgelaunte Yurlova-Percht gewinnt Silber
Die Silbermedaille ging an die IBU Weltmeisterin im 15 km Einzel aus dem Jahr 2015, Ekaterina Yurlova-Percht, und das trotz zweier Fehler. Die stets gutgelaunte Russin, die nach verpassten Olympischen Winterspielen 2018 schon mit dem Gedanken gespielt hatte, aufzuhören, hielt auf der letzten Runde erfolgreich die anstürmende Deutsche Denise Herrmann auf Distanz. Herrmann drehte nach vier Strafrunden den Hahn noch einmal voll auf und flog wie der Wind über die Strecke, musste sich dann aber mit einer Bronzemedaille als Ergänzung zu Verfolgungsgold aus der letzten Woche zufriedengeben. Sie freute sich trotzdem darüber, ihre eigenen Erwartungen so übertroffen zu haben. “Ich bin sehr zufrieden mit diesen Weltmeisterschaften, ich hatte auf eine Medaille gehofft.”

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Windisch im Glück
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Bis die Männer zum Massenstart antraten, hatte der Schneefall noch zugenommen. Die 16.000 Fans an der Strecke und auf den Tribünen sahen schon aus wie Schneemänner. Dominik Windisch trug die Startnummer 24, hatte es in dieser Saison nicht einmal in einer Einzeldisziplin aufs Podest geschafft, und damit schien der zweifache Bronzemedaillengewinner von Pyeongchang keine Chance auf einen Medaillenrang zu haben.  Mit je einem Fehler in den ersten drei Schießen dümpelte er auf Rang 13 herum. Als er zum letzten Stehendschießen kam, heulte der Wind, und der Schnee flog in dichten Flocken durch den Schießstand. Johannes und Evgeniy Garanichev standen Seite an Seite auf den Matten. Dann geschah das Unglaubliche. Johannes verschoss fünfmal und Garanichev viermal. Praktisch alle Schützen verschossen mindestens einmal - bis auf Windisch, der alle seine Scheiben traf. Er ging mit 13 Sekunden Vorsprung auf die Strecke. „Diesmal habe ich Glück gehabt. Ich wusste gar nicht, dass ich führe, der Trainer hat mir am Anstieg gesagt, dass ich führe. Ich hab gesagt, ‚Was?‘ Ich war fassungslos ... Als sie mir gesagt haben, dass ich den Vorsprung halte, war ich sehr motiviert, den bis ins Ziel zu verteidigen.“

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Déjà-vu von Canmore

Windisch und Wierer hatten beide ihre ersten Massenstarts am selben Tag vor drei Jahren in Canmore gewonnen. Diesen Erfolg wiederholten sie jetzt. „Gestern habe ich Dorothea gesagt, dass ich an sie glaube und dass sie das schaffen kann. Als sie heute gewonnen hat, habe ich mich so für sie gefreut ... Ich glaube, sie bringt mir Glück.“

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Antonin und Julian
Ebenso unglaublich war der Rennverlauf für Antonin Guigonnat, der als 8. zum letzten Stehendschießen kam, und für Julian Eberhard auf Rang 12. Beide verschossen im letzten Stehendschießen nur einmal und machten einen Sprung nach vorn zu Silber und Bronze. Was für ein wildes Ende für die IBU Weltmeisterschaften 2019.

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Mit den italienischen Massenstartsiegen endeten zwei spektakuläre Wettkampfwochen, die bis auf die letzten 24 Stunden von den Norwegern dominiert wurden, und doch gespickt waren mit verdienten Erfolgen, überraschenden Medaillen, Tränen und Geschichten. Nur noch eine Woche, und dann wird genau wie diese Weltmeisterschaften auch die BMW IBU Weltcupsaison 2019 Geschichte sein.

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