Norwegens Herren machen WM-Doppelerfolg perfekt

Norwegens Herren machen WM-Doppelerfolg perfekt

Vetle Sjaastad Christiansen war es am Ende vorbehalten, die norwegische Herrenstaffel als Schlussläufer in 1:12:27,4 Stunden souverän zu WM-Gold zu führen. Das norwegische Quartett, dem neben Christiansen noch Johannes Thingnes Boe, Tarjei Boe und Sturla Holm Laegreid angehörten, benötigte bei seinem Triumph insgesamt acht Nachlader. Nachdem zuvor bereits Norwegens Damen zu Gold liefen, war der Doppelerfolg für die Biathlon-Nation perfekt. Schweden gewann mit sieben Nachladern die Silbermedaille. Dabei zeigte allen voran Schlussläufer Sebastian Samuelsson eine phänomenale Leistung und lief von Platz sechs beim letzten Wechsel noch auf Rang zwei nach vorn. Der Rückstand auf Norwegen betrug am Ende 33,1 Sekunden. Die Bronzemedaille ging an die Staffel der RBU, die mit fünf Nachladern und 50,9 Sekunden Rückstand den Zielstrich überquerte.

Norwegens Herren machen WM-Doppelerfolg perfekt

Geheimer Schlussläufer Christiansen

In seinem ersten Einsatz bei den diesjährigen IBU-Weltmeisterschaften in Pokljuka wurde Christiansen überraschend als Schlussläufer aufgeboten, sodass die beiden Boe-Brüder jeweils eine Position nach vorn rückten. „Heute haben sicher die wenigsten damit gerechnet, dass ich als Schlussläufer ins Rennen gehe. Gestern haben wir den norwegischen Journalisten noch gesagt, dass JT auf Position vier laufen wird. Wir wollten unsere Aufstellung möglichst lange geheim halten, weil JT Boe in den letzten Rennen sowohl von Samuelsson als auch von Jacquelin übersprintet wurde. Also war ich als Schlussläufer vorgesehen, da der Sprint hier ziemlich schnell ist. Meine Teamkollegen haben dann ein riesiges Polster für mich herausgelaufen, sodass ich den Zieleinlauf richtig genießen konnte. Ein fantastisches Gefühl! Heute kam es also nicht zum Sprint. Das kann im nächsten Rennen wieder anders aussehen, wer weiß.“

Geburtstagskind Laegreid

Startläufer Laegreid, der heute seinen 24. Geburtstag feierte, freute sich riesig über die Goldmedaille an seinem Ehrentag: „Die Jungs wussten genau, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Also vielen Dank dafür!“ Zu seiner Strategie als Startläufer meinte er: „Zuallererst wollte ich das Rennen genießen, schließlich sind es die Weltmeisterschaften. Dann war es ein Staffelrennen, wo es aufs Team ankommt. Auf den Ski habe ich mich heute richtig gut gefühlt. Nach dem Stehendschießen habe ich gemerkt, dass ich eine Lücke reißen kann. Diese Chance wollte ich nutzen und den größtmöglichen Vorsprung herauslaufen.“

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Rang vier ging mit elf Nachladern und einer Strafrunde bei einem Rückstand von 1:02 Minuten an Frankreich. Die Ukraine lieferte mit nur vier Nachladern das beste Schießergebnis des Tages ab und kam mit 1:12,8 Minuten Rückstand auf den fünften Rang, gefolgt von Italien (zwei Strafrunden, 14 Nachlader und 1:35,5 Minuten hinter dem Siegerquartett).

Laegreid läuft großen Vorsprung heraus

Die Bedingungen für die 27 Herrenstaffeln waren genauso gut wie zuvor für die Damen. Nur über den Schießstand legte sich am späteren Nachmittag der Schatten der umliegenden Bergkulisse. Laegreid lief in der ersten Runde am schnellsten, leistete sich jedoch einen Nachlader im Liegendanschlag, sodass er hinter dem Franzosen Guigonnat und der Staffel aus Belarus mit 2 Sekunden Rückstand als Dritter zurück auf die Strecke ging. Doch schon vor dem folgenden Stehendanschlag hatte der Norweger die Führung zurückerobert. Nach einem Nachlader ging Laegreid auf Position eins wieder raus, 10 Sekunden dahinter folgten Belarus und die Ukraine. Bis zur Wechselzone baute der Norweger seinen Vorsprung auf 22 Sekunden aus und übergab an Tarjei Boe. Seite an Seite kamen Belarus und Frankreich zum Wechsel, dicht gefolgt von Italien.

Tarjei Boe verteidigt Führung

Quentin Fillon Maillet, Lukas Hofer und Benjamin Weger reihten sich hinter Tarjei Boe ein, der Rückstand sank aber nie unter 20 Sekunden. Der Norweger lieferte im Liegendanschlag ein tadelloses Schießen ab und war wieder unterwegs, noch bevor seine Konkurrenten ihren ersten Schuss abfeuerten. Seine drei ärgsten Verfolger zu diesem Zeitpunkt benötigten allesamt Extrapatronen, wobei Weger und Fillon Maillet etwas schneller als Hofer schossen und 24 Sekunden hinter dem Führenden zurück auf die Strecke kamen. Beim Stehendschießen benötigte der norwegische Routinier alle drei Ersatzkugeln, um die fünf Scheiben auf Weiß zu stellen. Weger schnappte sich nach einem Nachlader Rang zwei, während der fehlerfrei gebliebene Dmytro Pidruchnyi die Ukraine auf Rang drei brachte. Fillon Maillet musste hingegen in die Strafrunde. Beim zweiten Wechsel schickte Tarjei Boe seinen Bruder JT mit gut 12 Sekunden Vorsprung gegenüber Italien (Tommaso Giacomel) und die Ukraine (Artem Pryma) ins Rennen. Dahinter auf Rang vier folgte Slowenien nach einer grandiosen Runde von Jakov Fak.

JT läuferisch nicht zu bremsen

Wie gewohnt drückte JT Boe mächtig aufs Tempo und erhöhte seinen Vorsprung auf den ersten 2 km um weitere 10 Sekunden. Seine ersten vier Schuss im Liegendanschlag trafen genau ins Schwarze, für die letzte Scheibe benötigte er jedoch einen Nachlader. Der 20-jährige Italiener Giacomel blieb fehlerfrei und ging gut 7 Sekunden hinter Norwegen auf die nächste Runde. Die Ukraine folgte mit 17 Sekunden Rückstand. Im Stehendschießen lieferte JT Boe eine tadellose Leistung ab und baute seinen Vorsprung auf 31 Sekunden gegenüber dem neuen Zweiten Pryma (Ukraine) aus, der ebenfalls alle fünf Scheiben im ersten Versuch traf. Auf Rang drei schob sich Alexander Loginov (RBU) nach ebenfalls fehlerfreiem Schießen, jedoch mit 52 Sekunden Rückstand (zusammen mit Italien, das eine Strafrunde absolvieren musste). Auf seiner letzten Runde drückte JT weiter gehörig auf die Tube und übergab mit 48 Sekunden Vorsprung an den norwegischen Schlussläufer Vetle Sjaastad Christiansen. Auf Rang zwei wechselten die Ukrainer, gefolgt vom Team der RBU. Die Schlussläufer Emilien Jacquelin (Frankreich) und Sebastian Samuelsson (Schweden) übernahmen als Fünfter bzw. Sechster mit 1:16 Minuten Rückstand.

Christiansen sichert Gold

Beim Liegendanschlag brachte Christiansen seine fünf Patronen ohne Mühe ins Ziel. Auch Latypov blieb fehlerfrei und ging als Zweiter 54 Sekunden hinter dem Norweger auf seine nächste Runde. Jacquelin, Samuelsson und der Italiener Dominik Windisch trafen ebenfalls fünf von fünf und gingen mit 1:17 Minuten Rückstand nahezu gleichauf zurück in die Loipe. Im letzten Schießen des Tages feuerte Christiansen seine Patronen zwar schnell nacheinander ab, verfehlte allerdings zwei Scheiben. Nach zwei Nachladern blieb er jedoch souverän auf Goldkurs. Latypov leistete sich einen Nachlader, sodass Samuelsson nach fehlerfreiem Schießen nur 3 Sekunden dahinter die Verfolgung des RBU-Starters aufnahm.

Norwegens Herren machen WM-Doppelerfolg perfekt

Mit der schwedischen Fahne ins Ziel

Die letzte Runde glich für Norwegen einer Ehrenrunde: Christiansen lief mit komfortablem Vorsprung ins Stadion ein, sodass er den virtuell zugeschalteten Fans und seinen wartenden Teamkollegen zujubeln konnte. Samuelsson zündete auf der Schlussrunde noch einmal den Turbo und ließ Latypov sprichwörtlich stehen. Beim Zieleinlauf hatte er sogar genügend Zeit, sich eine schwedische Flagge zu schnappen und im Jubel zu schwenken. Latypov sicherte der RBU-Staffel am Ende die Bronzemedaille.

*Energieleistung und schwedischer Rekord *

Mit ihrer Silbermedaille stellten die Schweden einen neuen Medaillenrekord bei IBU-Weltmeisterschaften auf und holten für ihr Land das sechste Edelmetall bei dieser WM. Samuelsson sagte, dass die vielen Wettkämpfe in dieser Woche sehr geschlaucht haben, er am Ende aber noch einmal über sich hinauswachsen konnte: „Nach den vielen Rennen bin ich ganz schön k. o. Doch meine Teamkollegen haben mir heute eine gute Ausgangsposition verschafft. Mit Frankreich und Italien haben wir uns einen spannenden Dreikampf geliefert. Dabei gab es einige taktische Spielchen, da niemand so richtig die Führung übernehmen wollte. Als mir dann ein schnelles und fehlerfreies letztes Stehendschießen gelungen ist, hatte ich noch einmal neue Energie für die Schlussrunde gewonnen. Da wusste ich, dass wir hier eine Medaille holen können. Das hat sich richtig gut angefühlt.“

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RBU mit starker Schießleistung

RBU-Läufer Loginov, der sein Team wieder ins Rennen um die Medaillen brachte, meinte im Anschluss: „Ich wusste, dass ich möglichst fehlerfrei schießen muss, damit meine Rivalen nicht zu weit davonziehen. Das war meine Taktik.“ RBU-Schlussläufer Latypov ergänzte: „Mir war auch klar, dass ich fehlerfrei bleiben muss. Leider hatte ich im Stehendanschlag einen Nachlader. Trotzdem war es ein gutes Schießen. Die Schlussrunde war extrem hart, aber ich habe alles gegeben. Glückwunsch an unser Team! Ich möchte allen dafür danken, dass sie heute so eine großartige Leistung abgerufen haben und wir eine Medaille gewinnen konnten.“

Fotos: IBU/Thibaut, Manzoni

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