Ruhpolding: Johannes‘ Hattrick, Kuzmina, Franzi, die Französinnen und ein Highlights-Video

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Nach dem wilden und windigen Wetter in Oberhof kam die Biathlonwelt in dieser Woche in Ruhpolding wieder zur Ruhe. Die Sonne schien, der Wind war eingeschlafen, die Menge war lauter als je zuvor, aber als nach sechs Rennen die letzte Läuferin im Ziel war, hatten die vielen norwegischen Fans am meisten Grund zum Feiern.

Johannes schaffte den Hattrick mit zwei Einzeltiteln und einem Staffelsieg mit seinem Bruder Tarjei, der auch im Sprint der Männer neben ihm auf dem Podest stand. Dann überraschte auch noch die unterschätze Frauenstaffel mit einem zweiten Platz, nur geschlagen von den Französinnen mit neuem Rekord. Diese französische Mannschaft fuhr den ersten Staffeltitel seit 25 Jahren in Ruhpolding ein, während Anastasiya Kuzmina im Sprint den ersten Sieg in Ruhpolding einfuhr. Den krönenden Abschluss machte die lokale Größe Franziska Preuss mit einem ersten Weltcupsieg im Massenstart.

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Norwegischer Hattrick: Sprint, Massenstart und Staffel​

„Norwegen vorn“ hieß es immer wieder, denn Johannes gelang der Hattrick mit Siegen in Sprint, Massenstart und Staffel.

Boe-Brüder brillieren
Den Sprint dominierten einzig und allein die zwei Boe-Brüder: Tarjei setzte sich ohne Fehler an die Spitze. Er wartete, weil er genau wusste: „Als ich Martin und Benni geschlagen hatte, gab es nur noch einen ... Ich wusste, dass es Platz eins oder zwei wird.“ Johannes schoss einen Fehler, schaffte es aber mit einer rasanten Schlussrunde noch zu Sieg Nummer 8 mit 7,9 Sekunden Vorsprung auf seinen Bruder und 10,5 auf Benedikt Doll. Damit hat Johannes vier der fünf Sprints in dieser Saison gewonnen.

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Johannes greift an; Norwegens siegt

Die Siegesserie in den Ruhpoldinger Staffeln konnten die Norweger mit Sieg Nummer fünf in einem letztlich sehr knappen Wettkampf weiter ausbauen. Sie gewannen mit 13,5 knappen Sekunden vor den Lokalmatadoren aus Deutschland und den Franzosen. Es hätte ein überragender Sieg werden können, aber Tarjei brauchte mit 30 Sekunden Vorsprung doch zwei Nachlader im Stehendschießen, hatte keine Reserven mehr und übergab einen halben Meter vor Österreich und Deutschland. Bei Johannes lief es ähnlich: Er brauchte drei Nachlader, nachdem er „Angst hatte, zu verfehlen, als ich zum Stehendschießen kam“, und hatte Simon Desthieux und Benedikt Doll im Nacken. Leider konnten seine zwei Rivalen auf der letzten Runde nicht mithalten. Johannes griff mit Macht an und setzte sich 15 Sekunden ab. Die anderen sahen nur noch seine Rücklichter, und so waren die deutschen Fans doch etwas ruhiger im Ziel, während die Norweger vor Freude tobten.

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Biathlon vom Allerfeinsten
Nach dem Sprint hatte Johannes gesagt, er plane Verbesserungen für Staffel und Massenstart. Sein Plan ging am Ende auf, auch wenn er wohl nicht vorgehabt hatte, die beiden letzten Schüsse im Stehendanschlag zu verfehlen und aufholen zu müssen. Doch genau so kam es, und das bescherte den Fans einen Tag „Biathlon vom Allerfeinsten“. Mit einem Sieg des Mannes in Gelbrot hatten sicher viele gerechnet, aber wohl nicht damit, dass es so spannend werden würde. Es hatte wohl kaum jemand erwartet, dass er neunzehn Treffer setzen, eine Strafrunde drehen und dann noch einmal gewaltig aufholen würde, um am Ende den Hattrick komplett zu machen. „Ich war konzentriert und zuversichtlich ... und bei den ersten 19 Schüssen habe ich mich gut gefühlt. (Ruhpolding hat im BMW IBU Weltcup den leichtesten Schießstand.) Dann habe ich verschossen ... dann war das Rennen wieder völlig offen ... danach habe ich natürlich nur noch auf einen Podestplatz gehofft, nicht mehr auf den Sieg. Man muss es versuchen.“ Das tat er auch, ging 800 Meter vor dem Ziel in Führung und schaute nicht mehr zurück. Dem auch nicht eben langsamen Julian Eberhard blieb nur noch ein zweiter Platz. Quentin Fillon Maillet auf Platz drei war plötzlich der Rudelführer des Tages in der französischen Mannschaft, gefolgt von Fourcade auf vier und Simon Desthieux auf sechs. Und die norwegischen Fans sangen noch einmal „We are winners“.

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Premieren bei den Damen: Anastasiya, die französische Staffel ... und Franzi!
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Abgehakt
Anastasiya Kuzmina hatte es in Ruhpolding bis zum Sprint der Frauen noch nie aufs Podest geschafft. Jetzt, wo sich ihre Karriere dem Ende zuneigt, hat sie auch das noch souverän abgehakt. Kuzmina ist immer schnell unterwegs, es war also kaum überraschend, dass sie an der ersten und auch an den folgenden Zwischenzeiten führte. Dazwischen blieb sie zum ersten Mal in dieser Saison fehlerfrei, obwohl man ihr das Gewehr kurz vor dem Start noch in seine Einzelteile zerlegt hatte. Die „kleineren Anpassungen“ bei der Waffenkontrolle konnten die dreifache Olympiasiegerin nicht aus der Fassung bringen. Lisa Vittozzi, der Star der letzten Woche, hatte dem nichts entgegenzusetzen. Auch sie traf alle Scheiben und war fast genauso schnell, am Ende aber 11,5 Sekunden langsamer. Sie sagte: „Ich habe 1000 % gegeben! Mehr ist nicht drin.“ Die Schwedin Hanna Oeberg schaffte ebenfalls zweimal die Null, lag aber fast 30 Sekunden hinter Kuzmina. Dank ruhigem und schönem Wetter in Ruhpolding blieben sieben der Top 10 ohne Fehler.

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Nach 25 langen Jahren endlich Sieg für französische Frauenstaffel
Beim letzten Sieg eines französischen Frauenquartetts in Ruhpolding war Anais Bescond 6 Jahre alt und ihre drei Mannschaftskameradinnen noch nicht auf der Welt. Die Frau des ehemaligen französischen Männertrainers Stephane Bouthiaux, Ann Briand, war 1994 die Schlussläuferin bei diesem Sieg. Als Anais Chevalier am Samstag über die Ziellinie lief, war die Freude also gigantisch! Chevalier bewies als Schlussläuferin zum ersten Mal Nerven wie Drahtseile und lud in Seelenruhe zweimal nach, obwohl Deutschland und Norwegen schon bereit zum Angriff waren. Sie hatten keine Chance: Mit einem Nachlader im Stehen war die Sache im Sack. „Ich stand unter großem Druck (als Schlussläuferin), weil ich zum ersten Mal auf dieser Position unterwegs war ... ich habe mich darauf konzentriert, für das Team mein Bestes zu geben. Wir wussten, dass wir fehlerfrei bleiben können (sie brauchten vier Nachlader). Wir wollten das schaffen, damit wir heute Abend zufrieden sein können!“ Das waren sie, so wie auch die Norwegerinnen auf Platz zwei und die Deutschen, die Dritte wurden. Für Preuss war es “ein guter Tag.”

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Ein mehr als guter Tag für Franzi
Der Sonntag war mehr als nur ein guter Tag für die 24-jährige Ruhpoldingerin Franziska Preuss. Ihr letzter Podestplatz war eine Silbermedaille bei den IBU Weltmeisterschaften 2015. Sie hatte noch nie ein Weltcuprennen gewonnen. Doch an diesem Tag setzte sie mit 20 Schuss 20 Treffer und ging im Massenstart als Führende aus dem letzten Stehendschießen. Ingrid Landmark Tandrevold griff an, doch Preuss sagte sich: „Ich kann das heute schaffen.“ Bis sie zu ihrem allerersten Sieg über die Ziellinie lief, stand der Siegzähler für die Deutschen bei ihren zwei Heimweltcups noch bei null von elf. Franzi brachte die Erlösung. Tandrevold war einen Moment lang enttäuscht, dann aber hochzufrieden mit ihrem ersten Podestplatz. Die zuverlässige Paulina Fialkova schaffte ein Comeback auf der letzten Runde und holte sich den fünften Podestplatz der Saison.

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Ruhpolding lieferte mit lauten Fangesägen, wehenden Fahnen und vielen Premieren einen würdigen Abschied ... und Johannes und Dorothea Wierer tragen nach wie vor Gelb. Nächster Halt: Antholz

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