Siegfried Mazet will immer noch besser werden

Siegfried Mazet will immer noch besser werden

Für Siegfried Mazet beginnt in diesem Sommer die fünfte Saison als Schießtrainer der Männer in Norwegen. Seine Erfolge mit Martin Fourcade und der französischen Mannschaft und seine Erfolge als Trainer von Johannes Thingnes Boe und den norwegischen Giganten machen Mazets Fähigkeiten zum Maß aller Dinge am Schießstand.

Auch wenn er seine Pläne und seine Arbeitsweise in diesem Sommer angepasst hat, hat sich sonst nicht viel verändert. Das Ziel für seine Schützlinge sind Spitzenleistungen: Effizienter werden, noch einen Treffer mehr setzen, mit Podestplatz oder Sieg immer in Reichweite.

Siegfried Mazet will immer noch besser werden

*Anpassungen *

Wegen des Coronavirus mussten in dieser Saison schon früh Anpassungen gemacht werden. Mazet saß in Frankreich, und als die Mannschaft im Mai zum ersten Mal wieder zusammenkam, konnte er nicht reisen. „Es war frustrierend und schwierig, so (per Computer-Verbindung) ans Arbeiten zu kommen, aber man muss da auch das große Ganze sehen und sich überlegen, was am wichtigsten ist: Gesund zu bleiben und unsere Familien zu schützen. Das betraf nicht nur unsere Mannschaft, sondern jeden... Ich musste das anders angehen. Ich habe die Jungs gebeten, Videos aufzunehmen, damit ich sie analysieren kann. Es war spannend, weil ich ein paar Dinge herausgefunden habe, die mir vielleicht entgangen wären, wenn ich dort gewesen wäre. Wir haben versucht, diese Zeit zu nutzen, um noch besser zu werden.“

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Herausforderungen und neue Routine

Sobald er reisen konnte, „war für mich als französischer Trainer in Norwegen der Wiedereinstieg, als ich im Juni zum ersten Mal nach Norwegen reisen konnte, die größte Herausforderung. Frankreich war zu dem Zeitpunkt ein „rotes“ Land, und ich musste in Quarantäne, bevor ich arbeiten durfte. Unser Arzt hat geklärt, was ich im Anschluss, und nach ein paar Tagen musste ich zwar noch 4 - 10 Meter Abstand halten, konnte aber wenigstens arbeiten. Unser Trainingslager in dem Monat war ziemlich normal, mal abgesehen von den Abstandsregeln, die unser Arzt ausgegeben hatte, wie dass wir an getrennten Tischen gegessen haben. Die Arbeit mit der Mannschaft war eine ziemliche Herausforderung. Manchmal muss man dicht dran sein, um zu sehen, was passiert, ich vor allem am Gewehr, um das Anvisieren und Abdrücken zu beobachten. Es war schwierig, sich umzugewöhnen. Aber sobald wir die neue Routine drauf hatten, war alles in Ordnung.“

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„Wir dürfen uns nicht ausruhen“

In einer Mannschaft, zu der der zweifache Gesamtweltcupsieger Johannes und drei weitere Männer aus den Top 10 gehören, die zusammen die Nationenwertung der Männer, die Weltcup-Staffelwertung und die Wertung in der gemischten Staffel gewonnen haben, ist die größte Herausforderung, jedes Jahr noch besser zu werden als im Vorjahr. „Als ich nach Norwegen kam, habe ich mir die Daten angeschaut, und die Mannschaft hatte eine Trefferquote von etwa 84 %. Martin lag bei 88 %. Also mussten wir uns verbessern, um jede Woche Chancen auf einen Podestplatz zu haben. Jeder wusste, was zu tun war. In den letzten 4 Jahren haben wir uns ganz gut geschlagen. Johannes lag letztes Jahr bei 89 %. Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Wenn man oben angekommen ist, geht es viel schneller wieder abwärts.“

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Effizienz und das Blink-Festival

Innovation ist die Mutter der Erfindung. Mazet tüftelt immer an den Kleinigkeiten, mit denen man noch ein Quäntchen mehr herausholen kann. Manchmal läuft das natürlich nicht ganz glatt... „Wir versuchen, ein bisschen effizienter zu werden. Ich wollte im Liegendanschlag ein bisschen schneller werden, aber jetzt mache ich da wieder einen Schritt zurück zu einem normaleren Ansatz, weil ich mit unserer Trefferquote beim Blink-Festival nicht ganz zufrieden bin. Da war Vollgas auf der Strecke, dann ging es zu schnell an den Schießstand und dann waren die ersten Schüsse schwierig. Das haben wir ein bisschen in den Sand gesetzt. Deswegen haben wir da ein bisschen Druck rausgenommen... Ich habe meine Uhr in die Tasche gesteckt, und jetzt konzentrieren wir uns auf die Trefferquote.“

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Letztes Schießen: Pokern

Es gibt keine Musterlösung für den Erfolg am Schießstand, aber der 42-Jährige hat eine erfolgreiche Philosophie. „Ich will, dass sie unterschiedliche Ansätze (beim Schießen) beherrschen, dass sie es mal schnell und mal langsam angehen können. Wie beim Massenstart, da geht es nur um Strategie. Im Liegen gewinnt man kein Rennen, aber da kann man es verlieren. Da geht es darum, wie ich immer sage, das Viertelfinale zu erreichen, das Halbfinale und dann das Finale (das letzte Schießen). Im Finale muss man unbeirrbar sein, muss schnell schießen, wenn man zur Spitze aufschließen will oder es ruhig angehen, wenn man vorn liegt. Ich will, dass sie die Entscheidung treffen wie bei einem Pokerspiel. Da muss man in der letzten Runde auch eine Entscheidung treffen. Genau so ist das!“

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Lektion gelernt

Mazets Musterschüler Johannes hat diese Lektionen gut gelernt und wird am Schießstand immer zuverlässiger. „Das war mein Ziel für ihn. Ich hatte bei ihm schon beobachtet, dass er manchmal auf die Matte trat, schnell schoss und eine gute Gelegenheit (für einen Sieg) verschenkte. Ich weiß noch, damals im Sprint von Kontiolahti 2018, da war Martin krank und Johannes hatte die perfekte Gelegenheit, das gelbe Trikot zu erobern. Er schoss im Stehendanschlag wie ein Wahnsinniger, verfehlte zweimal und hätte mit nur einem Fehler das Trikot sicher gehabt. Das hätte (der Saison) eine ganz andere Wendung gegeben. An dem Tag haben wir uns lange unterhalten, und ich habe ihm gesagt, dass er unbeirrbar sein muss. Wenn man zur Weltspitze gehören will, darf einem so etwas nicht passieren. Ich habe gesagt, ‚Du willst zur Weltspitze gehören, also musst du dich auch so verhalten wie jemand, der zur Weltspitze gehört.‘ Das hat ihn zum Umdenken gebracht. Von dem Tag an, so kam es mir vor, hatte er ein Ziel und wusste, was man von ihm erwartete.“

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Einen Schuss besser

Nun steht eine neue Saison vor der Tür, und es gibt neue Ziele und Möglichkeiten, wie der Mann an der Spitze sich noch verbessern kann. „Wir haben daran gearbeitet, dass das Liegendschießen noch effizienter und schneller wird. Vor dem ersten Schuss war er ziemlich unsicher, brauchte lange, um in den Anschlag zu kommen, sich gut zu fühlen und einen guten ersten Schuss zu setzen. Da hängt natürlich viel von den Bedingungen ab, aber das Ziel ist, einen Schuss besser zu sein als die anderen.“

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Beziehungen

Mazets Fähigkeiten und Wissen als Trainer sind nicht zu unterschätzen. Er ist in jedem Abschnitt seiner Karriere erfolgreich gewesen, weil er sich nie auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat, sondern immer weiter dazugelernt hat, sich verbessert und sich angepasst hat. Den meisten Einfluss auf ihn haben im Laufe der Jahre die Spitzensportler und Trainer gehabt, mit denen er gearbeitet hat. „Ich habe viel gelernt. Ohne all die Athleten, mit denen ich viele Jahre zusammengearbeitet habe, wäre ich nicht der Trainer, der ich heute bin. Es sind die Beziehungen zu den Athleten, an denen man als Trainer wächst. Sie lernen von dir und du lernst von ihnen. Es ist ein gemeinsamer Weg. Ich bin nicht derselbe Trainer, der ich in Frankreich war, weil die Kultur in Norwegen anders ist. Das macht meine Erfahrungen aus Frankreich umso wertvoller. Ich habe so viel mit meinen Mannschaftskameraden geredet und mich mit ihnen ausgetauscht, mit Trainern wie Egil (Kristiansen) und davor Stéphane Bouthiaux und Jean-Paul Giachino. Wenn man Erfahrungen teilt, kann man davon später zehren.“

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Das Studium, das nie abgeschlossen ist

„Das ist wie ein Studium, das nie abgeschlossen ist. Man ist nie fertig... Was für mich mit am wichtigsten ist, ist diese Beziehung zwischen Trainern und Athleten.“

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Fotos: IBU/Christian Manzoni, Egil Christiansen, Christian Haukeli, Tarjei Boe, Axelar/ Martin Knudsen

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