Simon Eder Vorbereitung auf die 15. BMW IBU Weltcupsaison

Simon Eder Vorbereitung auf die 15. BMW IBU Weltcupsaison

Es ist Oktober, die österreichischen Alpengipfel tragen schon wieder eine Schneemütze, und während das Sommertraining langsam zu Ende geht, fiebert Simon Eder auf seine 15. BMW IBU Weltcupsaison hin.



Simon Eder Vorbereitung auf die 15. BMW IBU Weltcupsaison

Saison 2019/20 abgehakt

Seit er im Jahr 2002 bei der IBU Junioren-WM Weltmeister im Einzel wurde, hat Eder seinem Lebenslauf zwei olympische Medaillen, vier IBU WM-Medaillen, zwanzig Podestplätze in Einzelrennen, elf in Staffeln und sieben in Single-Mixed-Staffeln hinzugefügt. Die eher mäßige Saison 2019/20 (Platz 24 in der Weltcup-Gesamtwertung) hat der 37-Jährige inzwischen abgehakt. „Ich war im Herbst (2019) oft krank und konnte mich nicht so vorbereiten, wie der Weltcup das eigentlich erfordert. Ich hatte den ganzen Winter lang Probleme mit meiner Nase, und die Saison ist nie so gelaufen, wie ich mir das erhofft hatte. Man hat solche Jahre, das habe ich in meiner Laufbahn auch schon mal erlebt, und wenn man krank ist, ist das bei Ausdauersportarten immer ein Problem. Ich habe aber trotzdem ein paar gute Massenstarts abgeliefert und es in der Single-Mixed-Staffel aufs Podest geschafft. Ich weiß, dass ich mit gutem Schießen, normaler Laufleistung und guten Skiern Chancen aufs Podest habe.

Pandemie-Hilfe beim Heer

Das Frühjahr begann für Eder so ungünstig wie für viele andere. Wegen Corona kam es auch in Tirol zu Ausgangssperren, aber einen Vorteil hatte die Situation: Als Soldat beim österreichischen Heer wurde Eder herangezogen, um Lebensmittel von Lastwagen abzuladen. „Die Menschen haben so viel Essen gekauft, dass die Unternehmen mit dem Nachfüllen der Regale nicht nachkamen, also habe ich beim Abladen geholfen. 20 Jahre lang habe ich mich beim Heer voll auf meinen Sport konzentrieren können, und ich war froh, jetzt helfen und etwas Gutes tun zu können.“



Simon Eder Vorbereitung auf die 15. BMW IBU Weltcupsaison

Normalität im Trainingslager

„Ende April habe ich wieder angefangen, an den Sport zu denken. Ab dem 4. Mai durften wir in Hochfilzen wieder trainieren. Es war fast normal: Wir haben alle Einzelzimmer, und da das Biathlontraining draußen stattfindet, ist es nicht so gefährlich. Aber mein ganzes Krafttraining mache ich aus Sicherheitsgründen zuhause, weil man die Ansteckung bei mehreren Menschen in einem Raum schlechter kontrollieren kann.“ Er berichtet, dass der Sommer ziemlich normal war, als sich alle an die Maßnahmen wie die zwei Meter Abstand gewöhnt hatten. „Wir sind viel in Hochfilzen geblieben, hatten aber auch Trainingslager in Ruhpolding und Obertilliach, was uns ein bisschen ein Gefühl von Normalität gegeben hat, in Hotels zu übernachten und mit den Jungs zusammen zu sein.“



Simon Eder Vorbereitung auf die 15. BMW IBU Weltcupsaison

Individuelles Training

Mit fast 20 Jahren Erfahrung im internationalen Biathlon auf dem Kerbholz hat Eder inzwischen einen sehr individuellen Trainingsplan. „Nach so vielen Jahren weiß ich, was für meinen Körper das Beste ist. Gesund zu bleiben ist das Wichtigste. Wenn ich gesund bleibe, kann ich mit den Besten im Weltcup mithalten. Ich versuche immer, ein paar kleine Dinge zu ändern, um mich zu verbessern und motiviert zu bleiben. In diesem Jahr habe ich versucht, viel langsames Ausdauertraining zu machen, nachdem ich krank war und keine so brillante Saison hatte. Als ich dann im Herbst in Obertilliach ein paar schnelle Intervalle gemacht hab und Rennen gelaufen bin, habe ich mich stark gefühlt. Ich schaue immer, was in den guten Jahren funktioniert hat und vergleiche auch die Skiroller- und Rennradtests aus den Vorjahren. Dann kann ich sehen, ob ich mich verbessert habe oder nicht. Wenn ich meine Ergebnisse von heute mit denen von vor fünf Jahren vergleiche – die sind besser als mit 30 und mit 35, und das waren gute Jahre! Damit hatte ich nicht gerechnet.“

*Selbstvertrauen beim Schießen *

Dem Linkshänder Eder, der in Einzelrennen in den letzte zwei Saisons ein Dutzend Mal ohne Fehler ins Ziel kam, fällt es beim Schießen am Schwersten, das Niveau zu halten. „Im letzten Jahr war es mein Schießen (86 % im Vergleich zu 91 % in der Vorsaison). Jede Saison ist ein bisschen anders. Wenn man nicht an sich und seine Fähigkeiten glaubt, was schnell passieren kann, dann sackt die Trefferquote. Man denkt zu viel nach und kann das nicht abstellen. Das Ziel ist also immer, zu Beginn der Saison ein paar gute Rennen zu laufen, weil mit so einem Einstieg alles viel einfacher ist.“

Leitner und Skating-Technik

Auch wenn er ein guter Schütze ist, weiß Eder, dass man auch auf der Strecke liefern muss. Einen Trainingspartner wie den 23-jährigen Felix Leitner zu haben, hält den Routinier auf Trab. „Wir können froh sein, jemanden wie ihn zu haben, der in die Top Ten der Welt laufen kann (IBU WM 2020: Platz 6 im Massenstart, Platz 9 in Sprint/Verfolgung). Mit ihm zu trainieren ist klasse. Er hat eine tolle Skitechnik. Wir trainieren vor allem wegen der Technik viel zusammen. In der Skating-Technik hat sich in den letzten Jahren viel verändert, also musste ich mich da auch anpassen. Das ist nicht so leicht, wenn man etwas 15 Jahre lang auf eine Art macht, und sich dann umstellen muss. Aber so bleibt man geistig fit und arbeitet jeden Tag hart an sich.“



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*Alfred Eder „ist der beste Trainer für mich“ *

Entscheidend für Eders Erfolg ist Vater Alfred, der die Karriere seines Sohnes mit einer Mischung aus Leidenschaft und Fachwissen begleitet hat. Sein Wissen zieht Eder Senior aus einer erfolgreichen Weltcup-Karriere mit zwei IBU WM-Medaillen, elf Podestplätzen und einem Sprintsieg in Antholz 1985, die ihm zu einer über 25 Jahre langen Trainerkarriere verholfen haben. „Er hat den Sport gelebt und lebt ihn immer noch mit ganzem Herzen. Das bewundere ich an ihm. Ich glaube, wenn es möglich wäre, würden mein Vater und Ole Einar Björndalen immer noch Rennen laufen! Sie sind wie Seelenverwandte, weil sie den Biathlon so unendlich lieben. Er hat jeden Trainingstag mit mir mitgelebt und so professionell wie möglich gestaltet. Deswegen ist er der beste Trainer für mich. Ich könnte es nicht besser haben. Manchmal braucht man allerdings auch Anregungen von anderen Trainern. Aber jemanden wie ihn zu haben, der einem an den guten und den schlechten Tagen hilft, das ist etwas ganz Besonderes.“



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Single-Mixed-Erfolg

Einige seiner besten Tage hat Eder in den letzten Jahren in der Single-Mixed-Staffel mit Mannschafskameradin Lisa Theresa Hauser erlebt. Auch wenn das Duo eine IBU WM-Medaille verpasste (Platz 6, Antholz 2020), haben sie zwei Siege, zwei vierte Plätze und einen dritten Platz in dieser Disziplin einfahren können. „Wir haben zu Beginn beide nicht gedacht, dass uns die Single Mixed so gut passen würde. Wir wollten in der gemischten Staffel antreten, aber dann hat es sich ganz gut ergeben. Das hat mit der Streckenlänge und dem Schießen zu tun. Wir haben beide unsere Stärken am Schießstand, was sehr wichtig ist. An unseren besten Tagen ist mindestens einer von uns ganz ohne Nachlader ausgekommen, und das ist der Schlüssel zum Erfolg. Nachdem wir ein paarmal auf dem Podest gestanden haben, sind wir jetzt zufrieden! Es in Antholz nicht aufs Treppchen zu schaffen, war eine Enttäuschung, und deswegen ist das jetzt auch unser Ziel für die Weltmeisterschaften.“

Peking 2022

Jenseits von Pokljuka 2021 hat Eder noch ein weiteres Ziel: Peking 2022. „Die Winterspiele sind ein großer Ansporn für mich. Aber jetzt geht es erst mal um die nächste Saison und Pokljuka. Dann fühle ich mich hoffentlich noch frisch genug, um für die Winterspiele in Topform zu kommen. Die Winterspiele sind für mich immer eine große Motivation und eine tolle Erfahrung gewesen. Ich will es noch einmal schaffen und eine Chance auf eine Medaille haben.“



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Auf Schnee in Obertilliach

Bis zum Saisonstart sind es nur noch sechs Wochen, und für Eder und seine österreichischen Mannschaftskameraden geht es jetzt um Schneetraining und letzte Vorbereitungen. „Wir fahren nach Obertilliach und hoffen, dass die Temperaturen mitspielen. Es ist ein toller und sicherer Ort auf einer ordentlichen Höhe, und nicht weit von Zuhause. Ich kann mir für die letzten Vorbereitungen in diesem Jahr keinen besseren Ort vorstellen.“

Dankbar für die neue Saison

Nach Obertilliach freut er sich auf Kontiolahti. „Skilaufen im finnischen Wald ohne Zuschauer wird sich normal anfühlen, aber im Stadion werden sie uns fehlen. Das Wichtigste ist, dass wir Rennen laufen dürfen. Ich persönlich bin der IBU sehr dankbar dafür, dass sie die Austragung von Rennen ermöglicht haben. Das war nicht einfach, und das kann auch nicht jeder Sport und jeder Verband einrichten, und deswegen finde ich es wirklich großartig (für den Biathlon).“

Photos: Simon Eder, IBU/Christian Manzoni, Petr Slavik, Jerry Kokesh

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