Slowenischer Trainer Uros Velepec: Die Herausforderungen der kleinen Mannschaften 

Slowenischer Trainer Uros Velepec: Die Herausforderungen der kleinen Mannschaften 

Eine kleine Mannschaft zu trainieren ist immer eine Herausforderung. Das Ringen um den Erfolg kann mit einer begrenzten Zahl von Athletinnen und Athleten und ebenso begrenzten finanziellen Mitteln eine Last sein, aber dank der individuelleren Betreuung eben auch ein Segen, vor allem, wenn am Ende Podestplätze und Medaillen dabei herausspringen.

Slowenischer Trainer Uros Velepec: Die Herausforderungen der kleinen Mannschaften 

Erfolg für Slowenien

​Slowenien, mit einer Weltcupmannschaft aus derzeit nur vier Männern und einer Frau, ist seit vielen Jahren erfolgreich, vor allem unter der fürsorglichen Leitung des Trainers Uros Velepec. Jakov Fak holte 21 Einzelpodestplätze, zweifaches IBU WM-Gold und zwei olympische Medaillen, darunter 2018 eine Silbermedaille im 20 km Einzel. Sein Mannschaftskamerad Klemen Bauer schaffte es viele Male in die Top 10, unter anderem auf einen 4. Platz im Sprint bei den Winterspielen 2010. Die Mannschaft gewann Silber in der gemischten Staffel bei der IBU WM 2012, und in der letzten Saison wurde die Männerstaffel Fünfte bei der IBU WM, alles mit einer Mannschaft, die nie aus mehr als 8 Athleten bestanden hat. Derzeit ist die Mannschaft extrem dünn besetzt. „Es ist die kleinste Mannschaft, die ich je hatte.“

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Individuelle Betreuung
Die kleine Mannschaft ist für die Slowenen, die die IBU Weltmeisterschaften 2021 in Pokljuka ausrichten werden, gleichzeitig ein Vorteil und ein Nachteil. Velepec lässt sich von der kleinen Gruppengröße nicht entmutigen. Ihm gefällt sie sogar, weil die Athletinnen und Athleten individueller betreut werden können. „Es ist viel einfacher, fünf Menschen zu trainieren als zehn. Wenn man die gleiche Zahl an Betreuern hat, ist das einfacher, weil man sich dann auf die Besten konzentrieren kann. Ich glaube nicht, dass eine kleine Mannschaft problematisch ist. Das eigentliche Problem ist ein kleines Budget! Wenn man darüber nachdenkt, haben einige der Besten Einzelteams oder kleine Teams, wie Ole Einar Björndalen, Kaisa, Kuzmina und andere.“

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Gesund bleiben und Junioren als Plan B
Der Biathlon wird derzeit von Nationen wie Norwegen, Deutschland und Frankreich dominiert, die sowohl über viele Talente als auch deutlich mehr Mittel für deren Betreuung verfügen. Dank dieser beiden Faktoren halten sie sich am oberen Ende der Nationenwertung, was ihnen die maximale Starterzahl und immer starke Staffelteams garantiert. Die größte Herausforderung für jede Mannschaft, vor allem aber für eine kleine Mannschaft, die um ihre Startplätze im Weltcup kämpft, ist dafür zu sorgen, dass alle gesund bleiben. Der erfahrene slowenische Trainer erklärt: „Wenn man wie ich vier Männer hat, kann man sich Halsschmerzen oder eine Grippe einfach nicht leisten. Dann hat man keine Staffel, und man kann sich nicht leisten, eine Staffel zu verpassen, weil die Staffelpunkte für die Nationenwertung so wichtig sind. Zum Glück haben wir ein paar gute Junioren wie Alex Cisar (zweimal Gold bei der JJWM), die bei Bedarf einspringen können. Das ist der Plan B. Man weiß nie, was einem Athleten wie Jakov (Fak), der im letzten Jahr die zweite Saison in Folge Probleme hatte, passieren kann. Manchmal musste Fak trotzdem antreten. Mit nur vier Männern muss ich aus jedem das Beste herausholen, weil ich sie für meine Mannschaft brauche.“

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Beste Schützen
Bei Athleten wie Roc Trsan und Miha Dovžan geht es vor allem um eine individuelle Betreuung für ihre Einsätze als Staffelläufer. „Wir können uns in unserem Trainingsprogramm bei niemandem Fehler erlauben...Ich arbeite daran, aus ihnen die bestmöglichen Schützen zu machen, damit wir in der Staffel mithalten können. Das ist uns in der letzten Saison gelungen, mit den besten Schießergebnissen, nur fünf Nachlader in der WM-Staffel.“

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Top-Athleten
Der Schlüssel zum Erfolg für die kleinen Mannschaften sind ein oder zwei Top-Athleten.  „Es ist wichtig, Top-Athleten zu haben, wie bei uns Jakov und Klemen. Wenn dein bester Athlet auf Platz 60 landet, werden der Verband und die Öffentlichkeit sich fragen, warum sie einen Trainer bezahlen. Aber wenn man ein paar Top-10-Ergebnisse liefert, kann man die anderen „verstecken“, weil sich für sie niemand interessiert. Damit stehen sie weniger unter Druck und können sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln, was für Athletinnen und Athleten, die noch nicht in der Spitze sind, ein großer Vorteil ist.“

Frauen für die Zukunft
In Slowenien liegt die Herausforderung definitiv beim Frauenkader, denn nur eine Athletin ist für den Weltcup qualifiziert. Sie haben Potential, aber „sie sind zwar talentiert, aber noch jung... eine Gruppe von 15-, 16- und 17-jährigen Mädels, die unglaublich sind. Wenn sie ordentlich arbeiten, dann ist denkbar, dass vier es nach oben schaffen und wir in sechs Jahren eine sehr starke Frauenmannschaft haben.“

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Geldfragen
Geld ist immer ein Problem, für kleine wie große Mannschaften. „Wir sind mit unserer kleinen Mannschaft sehr erfolgreich, aber wir haben immer mit so einer Mentalität zu kämpfen, die sagt, ‚wenn es mit diesem Betrag geht, dann geht es wahrscheinlich auch mit weniger Geld.‘ Als ich aus der Ukraine zurückkam und wir eine olympische Medaille holten, eine von nur zweien, die Slowenien gewonnen hat, war unser Budget 10 - 15 % niedriger.“

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Heim-WM
Die bevorstehende IBU WM 2021 ist eine große Herausforderung, doch Velepec sieht sie als Chance, besser vorbereitet zu sein und eine Medaille zu gewinnen.  „Die IBU WM hier zu haben, ist gut, das ist für uns einfacher. Wir kennen die Strecken und wissen, dass die Servicetechniker ihre Sache besser machen werden, weil sie den Schnee und jeden Zentimeter Strecke kennen. Es wird einfacher sein, sich vorzubereiten, weil wir fast 100 Tage im Jahr hier verbringen. Es ist unser Zuhause. Wir leben hier. Wir müssen bei der Heim-WM eine Medaille holen.“

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110 % jeden Tag ... „weil es mir wirklich wichtig ist“​Trotz der nie endenden Bemühungen, Talente zu entwickeln und zu halten, alle fit zu halten und die Finanzen zu regeln, gibt Uros Velepec jeden Tag 110 % für seine kleine Mannschaft. „Ich bin gerne Trainer, weil ich gern alleine bin. In Trainingslagern arbeitet man mit der Mannschaft und dann ist man alleine, kann Rennrad fahren oder wandern und kommt mal raus. Ich brauche diese Zeit, weil mein Arbeitsspeicher manchmal heiß läuft. Mir geht es zu sehr an die Nieren, wenn Dinge nicht richtig laufen, oder nicht nach Plan ... weil es mir wichtig ist. Mich hat neulich ein Athlet gefragt, was ich von seinem Training halte. Ich habe geantwortet, ‚Das war gut. Du bist auf einem guten Niveau.‘ Er erwiderte: ‚Danke. Ich finde das klasse, dass dir das auch wichtig ist. Dass du ein Auge auf mich hast.‘ Das ist das Wichtigste: Wenn man einen Athleten hat, schenkt er einem Jahre seines Lebens mit der Bitte ‚Tu bitte dein Bestes.‘ Der Athlet sagt, ‚Mach mich besser, gibt mir guten Rat.‘  Ich versuche, das jeden Tag zu machen. Meine Frau sagt immer ‚Du nimmst deine Arbeit zu ernst.‘ Klar, ich lache und scherze viel, aber letzten Endes schlafe ich selten ruhig, weil es mir wirklich wichtig ist...“

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