Vorschau auf die neue Saison: Die besten Frauenmannschaften 

Vorschau auf die neue Saison: Die besten Frauenmannschaften 

In der letzten Saison gewannen die Norwegerinnen die Nationenwertung der Frauen, und damit haben sie in der neuen BMW IBU Weltcupsaison 2019-20 gleich die Zügel in der Hand. Auf die Frage „Welche Frauenmannschaft ist die beste im Biathlon?“ würden wohl trotzdem 9 von 10 Befragten „Deutschland“ antworten, die Mannschaft, die im Grunde seit Beginn des Jahrtausends den Weltcup, die IBU WM und die Olympischen Winterspiele dominiert. 

Diese zwei Mannschaften sind zusammen mit Frankreich, Italien und Schweden die großen Mächte im Biathlon. Sie verfügen über ausreichend Tiefe und Qualität, um Einzeltitel zu gewinnen und Staffelsiege einzufahren und über das erforderliche Talent, um auch in gemischten Staffeln erfolgreich zu sein.

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Norwegen: Erster Sieg in der Nationenwertung seit 2014

In der letzten Saison holte das talentierte norwegische Trio aus Marte Olsbu Røiseland, Tiril Eckhoff und Ingrid Landmark Tandrevold sich den ersten Sieg in der Nationenwertung seit 2014. Norwegen mit seiner langen Tradition von Siegen und Podestplätzen hat gute Chancen, sich ein weiteres Mal an den Deutschen vorbeizuschieben. Bei der IBU WM 2019 waren Eckhoff und Olsbu Røiseland Teil der gemischten Staffel, die Gold holte; Røiseland gewann Gold mit der einfachen gemischten Staffel und dann sahnte Norwegen mit Tandrevold und Synnøve Solemdal auch noch bei der Frauenstaffel ab. Nimmt man noch die Silbermedaillen von Tandrevold und Eckhoff dazu, hatten die Norwegerinnen bei fünf von neun Medaillen die Finger im Spiel.

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Marte, Tiril und Ingrid

Das sollte auch diesmal ausreichen, solange dieses Trio in gewohnter Form aufläuft. Olsbu Røiseland verbesserte sich im letzten Jahr auf drei Siege und legte sich, wie es schien, einen Turbogang für die letzte Runde zu, hat aber in diesem Winter mit einer hartnäckigen Hüftverletzung zu kämpfen. Tandrevold ist der bescheidene neue Stern am norwegischen Biathlonhimmel; sie trifft im Liegendanschlag fast 90 % ihrer Scheiben. Eckhoff legt auch an schlechten Tagen ein enormes Tempo vor und kann ihre Leistung abrufen, wenn es darauf ankommt, was ihre fünf olympischen und sieben IBU-WM-Medaillen eindrucksvoll belegen. Ihr erster Sieg im Einzel beim Weltcup in Canmore war mit 19 Treffern ein großer Schritt nach vorn. Hinter diesen vier Anführerinnen stehen Thekla Brun-Lie und Emilie Kalkenberg für Norwegen in den Startlöchern.

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Herrmann führt deutsche Mannschaft an
Die deutschen Damen dürften auch diesmal wieder Ansprüche auf den Spitzenplatz anmelden. Ihr Rekord ist wahrlich spektakulär: Nationencup-Titel in 13 der letzten 20 Saisons und ein zweiter Platz in den anderen sieben! Tiefe und Qualität sind seit langen Jahren die Stärke dieser Mannschaft. Obwohl Laura Dahlmeier 2018-19 neun Weltcuprennen auslassen musste, lag Deutschland zum Schluss nur 59 Punkte hinter Norwegen. Dahlmeiers Abschied macht Denise Herrmann de facto zur Mannschaftsführerin, und obwohl ihr Lauftalent und die Leistungssteigerungen im Biathlon kaum zu übersehen sind, ist die bald 31-Jährige kein vollwertiger Ersatz für Dahlmeier. Herrmann kann ihre Trefferquote von 78 % durch ihre Laufstärke ausgleichen, schaffte es aber nur auf zwei Siege und zwei weitere Podestplätze. Trotz hervorragender Herbstleistungen mit einem dominanten Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften wird sie sich anstrengen müssen, um Dahlmeier große Fußstapfen zu füllen.

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Solide Leistungen: Preuss, Hinz und Hildebrand
Die Mannschaft hinter Herrmann bringt solide Leistungen, allen Voran Franziska Preuss, Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand. Preuss wiederholte die bisher beste Saisonleistung ihrer Karriere mit einem neunten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung und errang ihren ersten BMW IBU Weltcupsieg im Massenstart von Ruhpolding. Gute Schießleistungen wie die 44 Treffer auf 50 Schuss beim Saisonabschluss in Oslo mit einem 2., 7. und 8. Platz zeigen, dass Preuss es zuverlässig in die Top 10 schaffen kann. Die 32-jährige Hildebrand ist und bleibt ein verlässlicher Bestandteil des deutschen Teams, immer sicher am Schießstand und zuverlässig auf Startplatz zwei der Staffel. Hinz hatte in der Saison 2018-19 zu kämpfen, legte aber einen souveränen Auftritt als Startläuferin der deutschen gemischten Staffel in Östersund hin, die am Ende Silber gewann. Bei den Deutschen Meisterschaften im September war sie gut in Form, sollte also wieder auf gewohntem Niveau unterwegs sein.

Die mannschaftliche Tiefe wird von der viele Jahre im IBU Cup dominierenden Karolin Horchler und der am Schießstand starken Anna Weidel abgerundet. Hinter diesen beiden sind auch Maren Hammerschmidt, die letzte Saison verletzungsbedingt pausieren musste, und die talentierte 23 Jahre alte Janina Hettich Optionen für Weltcup-Einsätze diese Saison.

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Frankreich mit Bescond und Braisaz im Spiel
Die französische Frauenmannschaft ist so zuverlässig wie die deutsche. Sie hat seit Anfang des Jahrtausends noch nie die Top fünf der Nationenwertung verfehlt, wurde viermal Zweite und siebenmal Dritte. Auch wenn Anais Chevalier derzeit in Mutterschutz ist, nachdem sie in der letzten Woche eine Tochter zur Welt brachte, steht die französische Mannschaft gut da. Anais Bescond ist die erfahrene Mannschaftsführerin, die trotz einer Verletzungspause im Sommer ihre Mannschaftskameradinnen Ende Oktober bei den Französischen Sommermeisterschaften in der Verfolgung abhängte. Bescond ist immer eine Kandidatin für die Top 10 und einen gelegentlichen Podestplatz. Die französischen Erwartungen ruhen auf Justine Braisaz, die bei der WM Silber im 15 km Einzel holte, sich zwei französische Sommertitel sicherte und auch beim Fourcade Nordic Festival einen beeindruckenden Auftritt ablieferte. Es ist die Kombination aus Treffsicherheit und guten Laufleistungen, die sie in dieser Saison zu einer ernstzunehmenden Podestkandidatin macht. Auf Nachwuchsstar Julia Simon (Platz 23 in der Gesamtwertung) gilt es in ihrer ersten vollen Weltcupsaison ein Auge zu haben, denn sie gewann die zwei anderen Sommertitel bei den Franzosen. Simon lieferte als Startläuferin der siegreichen französischen Staffel in Ruhpolding eine fehlerfreie Leistung ab, für die Franzosen der erste Sieg dort seit 1994. Sie könnte die Offenbarung dieses Winters werden. Die ehemalige Langläuferin Celia Aymonier hat das nötige Lauftempo, kämpft aber von Zeit zu Zeit noch immer mit dem Schießen. Trotzdem bewies sie zum Saisonende in Oslo mit 10 Treffern auf 10 Schuss und einem vierten Platz im Sprint noch einmal ihr Potential.

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Diese Vierergruppe bildet ein solides Gerüst für die Staffeln, die den Franzosen so liegen (ein Sieg und zwei zweite Plätze in der letzten Saison). Auch in der zweiten Reihe gibt es einige gute Nachwuchstalente, unter anderem Myrtille Begue, die bei der IBU JJWM Edelmetall gewann, und Chloe Chevalier, die 2018 zweimal Gold bei den IBU OEM holte.

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Italienische Hoffnungen ruhen auf Wierer und Vittozzi

Im kommenden Februar werden alle Blicke und Erwartungen auf den Italienerinnen ruhen, wenn die Heim-WM beginnt, und das gilt besonders für die zwei Top-Frauen Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi. Es ist lange her, dass eine Mannschaft gleich mit zwei Frauen von solchem Kaliber in die Saison starten konnte: Beide schießen gut, laufen schnell und haben bewiesen, dass sie gewinnen können. Sie trainieren Seite an Seite und keine von beiden hat in diesem Sommer nennenswerte Rückschläge erlitten. Eine zweite Kristallkugel für Wierer oder ein Sieg von Vittozzi sind denkbar. Vittozzi zeigte bei den Sommerrennen beeindruckende Leistungen, insbesondere einen überragenden Sieg beim Martin Fourcade Nordic Festival. Wierer ist erfahrungsgemäß schneller auf der Strecke, doch Vittozzi ist fünf Jahre jünger und wird schneller. Vittozzi machte am Schießstand in diesem Sommer einen hochkonzentrierten und sicheren Eindruck, Wierer weniger. Und doch ist Wierer eine Kämpfernatur. Wenn sie gesund und konzentriert ist, ist sie immer eine Gefahr. Vittozzi ließ in den letzten Tagen der vergangenen Saison deutlich nach, nachdem sie schon das gelbe Trikot ergattert hatte, ist aber in diesem Jahr besser vorbereitet.

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Hinter diesen beiden komplettieren Nicole Gontier, Federica Sanfilippo und Alexia Runggaldier die italienische Mannschaft, die alle drei schon in Einzel- und Staffelrennen auf dem Podest gestanden haben. Alle drei haben allerdings auch mal schlechte Tage am Schießstand, und für die italienischen Frauen hinter dem Duo Wierer/Vittozzi wird Stabilität am Schießstand ausschlaggebend sein. Wenn eine oder zwei sich dort hervortun, sind die Italienerinnen nicht nur in der Staffel, sondern auch in Einzelrennen eine ernstzunehmende Gefahr.

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Hanna Oeberg zieht an​Schweden verlässt sich darauf, dass Star-Athletin Hanna Oeberg den Weg bereiten und ihre Mannschaftskameradinnen zu großen Erfolgen führen wird. Oeberg zog in der letzten Saison deutlich an, sicherte sich den ersten WM-Titel, den ersten Weltcupsieg und schrieb sich 10 weitere Resultate in den Lebenslauf. Sie beende die Saison mit einem überlegenen Sieg im Massenstart von Oslo. Ihr einziger Aussetzer waren die drei Nachlader im Stehendanschlag, die Schweden bei der WM die Staffelgoldmedaille kosteten, ansonsten war sie konstant sicher und stark. Oeberg könnte in dieser Saison regelmäßig um den Sieg mitlaufen. Hinter ihr sicherte sich Mona Brorsson in ihrer bislang besten Saison zwei 5. Plätze sowie einen 6. und einen 7. Ihre drei Top-10-Ergebnisse bei der IBU WM sind Zeugnis ihrer Selbstsicherheit. Auch Linn Persson konnte in ihrer ersten Top-30-Saison die Plätze 5, 7 und 8 erringen. Die talentierte Anna Magnusson hatte in diesem Sommer Verletzungspech, gehört aber immer noch zum A-Kader. Oebergs 20-jährige Schwester Elvira und die erfahrene Bettan Hoegberg verleihen Schweden die erforderliche Tiefe für den Kampf um die Nationenwertung.
Diese Gruppe, deren Fundament der Teamgeist und gutes Schießen sind, hat bei jedem Staffelstart Chancen auf den Sieg.

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Fazit: In den Top fünf sind in dieser Saison keine großen Veränderungen zu erwarten. Norwegen und Deutschland werden sich um den Spitzenplatz raufen. Russland ist die Mannschaft mit den besten Chancen, wieder in die Top fünf aufzusteigen, aber dafür brauchen sie mehr Podestplatzierungen in Einzelrennen.

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