Weltcup-Stars erhellen den Sommerhimmel beim Blinfestivalen

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Das Training für die neue BMW IBU Weltcupsaison 2019/20 läuft bereits seit drei Monaten. Als der Kalender von Juli auf August wechselte, begann nun offiziell auch die sogenannte „Testsaison“ mit einem Aufeinandertreffen der großen Namen des Biathlonsports beim Blinkfestivalen. Die Rennen im norwegischen Sandnes markieren den Beginn mehrerer Wochen mit nationalen Auswahlwettkämpfen und dem Höhepunkt des Sommers: der IBU SBWM in Raubichi in Minsk, Weißrussland, die Ende des Monats stattfindet. Die Athleten haben jetzt die Chance zu testen, ob sich ihre Sommertrainingseinheiten wirklich ausgezahlt haben.

Weltcup in kurzen Hosen

Die Rennen in Blink sind seit 13 Jahren eine norwegische Tradition. Das norwegische Team tritt dabei gegen internationale Konkurrenten wie die französische Mannschaft an. In diesem Jahr fanden sich jedoch neben diesen beiden Biathlonmächten auch die komplette italienische Mannschaft, die Schweden, die Tschechen und herausragende Einzelsportler wie Kaisa Mäkäräinen, Ekaterina Yurlova-Percht und Anastasiya Kuzmina in Blink ein und verwandelten das Testevent in einen Winter-Weltcup in kurzen Hosen und auf Rollerski.

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Fourcade: „Spaß haben und gewinnen“
Johannes Thingnes Boe und Martin Fourcade trafen sich zum ersten Mal wieder in der Loipe, nachdem der Norweger letzten Winter seinen ersten Weltcupgesamtsieg eingefahren und damit Fourcades Siegessträhne nach sieben Triumphen beendet hatte. Vor dem ersten Rennen sagte Fourcade NRK im einem TV-Interview: „Ich bin hier beim Blinkfestivalen um Spaß zu haben und zu gewinnen… Ich bin das Training langsam angegangen. Ich habe meine Form verbessert und freue mich auf mein erstes Rennen nach so vielen Monaten… Mein Ziel ist es, in diesem Winter wieder zu meiner alten Form zurückzufinden…“

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Mäkäräinen: „Das Rennfieber steigt“
Bevor die zwei Tage dauernden Biathlonwettkämpfe eröffnet wurden, absolvierten unzählige Athleten erst einmal das kräftezehrende Lysebotn Kletter-Skirennen (11 km für die Herren, 7,5 km für die Damen; 640 m Höhenunterschied). Mäkäräinen hatte in den vergangenen zwei Monaten viel Zeit in den Bergen verbracht und betrachtet dieses Berg- und Talrennen schon fast als Sommertradition: „Keiner bereitet sich ausschließlich auf diese Wettkämpfe vor… Aber es ist ein Rennen und wir Athleten wollen gegeneinander antreten und unser Bestes geben. Sobald man in eine Startnummer schlüpft, steigt das Rennfieber.“  

Die 36-jährige absolvierte ihr erstes Testrennen der Saison ohne Fehl und Tadel: Sie wurde Dritte und beste Biathletin. Der Sieg ging an den norwegischen Langlaufstar Theresa Johaug. Bei den Herren sicherte sich Tarjei Boe mit Rang 10 den Titel des besten Biathleten. Er lag mehr als 20 Sekunden vor dem gerade erst 31 Jahre alt gewordenen Jesper Nelin, Emilien Jaquelin und Vetle Sjaastad Christiansen.

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Schnellschützen: Doro und Tarjei

In wahrer Testrenn-Manier eröffneten Schnellfeuer-Wettkämpfe am Freitag das Wettkampfprogramm. Wenig überraschend stellten die bekannten Schnellschützen Dorothea Wierer und Tarjei Boe unter Beweis, dass sich ihr Sommerschießtraining ausgezahlt hatte. Wierer spazierte quasi durch die drei Wettkampfrunden und stand im finalen Wettkampf dem älteren Boe-Bruder gegenüber. Angefeuert von Massen an norwegischen Fans war Tarjei im Finale einen Sekundenbruchteil schneller als die Italienerin und sicherte sich den Sieg. Nach dem Wettkampf fielen sich die beiden Konkurrenten lachend in die Arme.

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Oeberg: Nerven aus Stahl
Wenige Stunden später war es Zeit für den Massenstart: 12 Athleten jagten durch die Straßen der Stadt, erstürmten extra gebaute Anhöhen und absolvierten vier Schießeinlagen. Der gerade einmal 13 Minuten dauernde Wettkampf mit einer Mini-Strafrunde mutete beim letzten Stehendschießen eher wie die schwedischen Nationalen Meisterschaften an: Weltmeisterin und Olympiasiegerin Hanna Oeberg kämpfte gegen ihre Mannschaftskolleginnen Mona Brorsson und Linn Persson. Oeberg bewies erneut Nerven aus Stahl und räumte alle Scheiben ab, während ihre Teamkameraden in die Runde mussten. Oeberg siegte 7 Sekunden vor Brorsson und Røiseland. Sie sagte über ihren Sieg: „Fantastisch. Ich habe versucht, mich selbst nach drei Fehlern im Liegendanschlag auf das Schießen zu konzentrieren (und stehend fehlerfrei zu bleiben).“

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Augenschmaus mit Johannes und Martin ​Das langersehnte Aufeinandertreffen von Johannes und Fourcade ließ die Fanherzen 17 Minuten lang höher schlagen. Beide kamen zusammen mit Jaquelin zum letzten Schießen. Während der Norweger und der junge Franzose in die Strafrunde mussten, blieb Fourcade fehlerfrei und ging 1,5 Sekunden vor seinen Rivalen auf die letzte Runde. Die drei kämpften während der nächsten zwei Minuten um den Sieg. Johannes zog auf den letzten 80 Metern davon und triumphierte. Aber beide Athleten fielen zar erschöpft, aber mit einem Lächeln ins Ziel. Fourcade schlug Johannes freundschaftlich aufs Bein. Der revangierte sich mit einem Fistbumb. Später sagte er: „Es wurde zu einem harten Kampf, als ich den letzten Schuss daneben setzte. Er ist von Anfang an auf Angriff gelaufen und ich habe versucht, ihn einzuholen. Wir respektieren uns wirklich sehr. Am Ende des Rennen war ich fast tot!“

„Nach dem zweiten Liegendschießen (und drei Strafrunden) war ich fast weg vom Fenster. Ich wusste, es würde schwierig werden. Ich habe es versucht… aber er war am Ende einfach schneller.“ Ganz im Geiste dieser Show-Wettkämpfe meinte Fourcade abschließend: „Als ich auf die Schlussrunde ging (kurz vor Johannes), dachte ich, dass die norwegischen Fans jetzt bestimmt überglücklich sind. Sie haben bekommen, was sie wollten!“

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Norwegische Heimsiege für Røiseland und Birkeland​Die Supersprints am Samstag waren ebenso spannend wie die Freitagsrennen. Die Fans erwarteten ein weiteres Fourcade/Johannes-Duell, während Røiseland und Eckhoff darauf hofften, Oeberg ein Schnippchen zu schlagen. Die Tribünen und Streckenränder waren randvoll mit fahnenschwingenden Fans, die lauthals jubelten, als ihre Lokalmatadoren beide Rennen für sich entschieden.

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Røiseland blieb beim letzten Schießen fehlerfrei und erfüllte Fanträume, als sie 0,5 Sekunden vor Eckhoff und Oeberg, die einmal in die Strafrunde musste, auf die Schlussrunde ging. Røiseland zog ihren Konkurrentinnen davon und winkte den Fans zu, als sie vor Oeberg und Eckhoff über die Ziellinie fuhr. 

Jeder erwartete nun ein norwegisch-französisches Duell beim Herrenrennen. Doch dazu kam es nicht – zumindest nicht mit Johannes Boe. Stattdessen räumte Lars Helge Birkeland beim letzten Schießen alle Scheiben ab und flog dem Feld davon. Er lag 11 Sekunden vor Vetle Sjaastad Christiansen und Fourcade. Der meistens im Schatten der großen Norweger stehende Birkeland jubelte und grinste breit, als er ins Ziel lief. Sein Teamkollege schaffte es, Fourcade auf Rang drei zu verweisen.

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Test vorbei: Fourcade mit mehr Selbstvertrauen
Der französische Star war zufireden mit diesem ersten „Testwochenende“: „Ich hatte erwartet, heute zu gewinnen, aber als Lars Helge fehlerfrei blieb, wusste ich, dass das nicht mehr möglich ist. Ich bin ohne Erwartungen hierher gereist, weil ich meine Form nicht einschätzen konnte und nicht wusste, wie viel Erholungszeit ich zwischen den Wettkämpfen brauchen würde. Im Schießwettkampf bin ich Zweiter geworden, im Massenstart auch und heute Dritter. Ich denke, ich kann mein Training jetzt mit mehr Selbstvertrauen angehen.“

Lächelnd fügte er hinzu: „Ende des Monats werde ich meine Revange gegen Johannes in Annecy bekommen!“

World Cup Stars and Fans at Blinkfestivalen

Photos: Axelar / Trine Nessler Wichmann, Arild Aarnes, Nanco F.S Hoogstad, Rune Helliesen, Ǿyvind Andersen, Martin Riseth, Asgeir Ravndal

Fotos: Axelar / Trine Nessler Wichmann, Arild Aarnes, Nanco, F.S Hoogstad, Rune Helliesen, Ǿyvind Andersen, Martin Riseth, Hans Lie

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