Wer wird Held oder Heldin der Aufholjagd? Kampf der Momente: Teil 2

Wer wird Held oder Heldin der Aufholjagd? Kampf der Momente: Teil 2

Der Biathlon-Sport steckt voller Momente, die uns im Gedächtnis bleiben: Packende Kopf-an-Kopf-Rennen, hauchdünne Siege, Schießduelle um Medaillen im letzten Stehendschießen und grandiose Aufholjagden. Diese Aufholjagden sind der Inbegriff der bekannten Weisheit „Im Biathlon ist alles möglich“. Nach frühen Strafrunden und Rückständen von einer satten Minute reichen manchmal ein oder zwei fehlerfreie schnelle Schießen, ein enormes Tempo und das Herz eines Siegers, um doch noch einen Podestplatz oder gar einen sagenhaften Sieg herauszuschinden.

Wer wird Held oder Heldin der Aufholjagd? Kampf der Momente: Teil 2

Sieger Runde 1
Die Sieger der ersten Runde waren Darya Domracheva, Massenstart HOL12, Martin Fourcade, Massenstart RUH18, Kaisa Mäkäräinen, Massenstart TMN18 und Johannes Thingnges Boe, Staffel HOC19.

Nach einer Umfrage unter den Fans und vielen Stunden Archivarbeit durch unsere Mitarbeiter konnten wir das Bewerberfeld für die „Beste Aufholjagd der Biathlon-Geschichte“ auf sechzehn große Aufholjagden durch vierzehn Biathlon-Stars (Kaisa Mäkäräinen und Darya Domracheva mit je zwei Nominierungen) für unseren Wettstreit der Momente eingrenzen. Jetzt gilt es zu entscheiden, wer Held oder Heldin der Aufholjagd wird. Lesen Sie unsere Zusammenfassungen und stimmen Sie in vier Runden (Vorrunde, Viertelfinale, Halbfinale und Finale) in unserer Instagram Story @ibu_biathlonworld ab. Die Stimmabgabe ist in jeder Runde 24 Stunden lang möglich. Danach werden wir die Ergebnisse posten. Teil 2 der Vorrunde läuft am 7. Mai, die Viertelfinals am 9. Mai, die Halbfinals am 12. Mai und die Finale-Runde am 16. Mai.

Lehnen Sie sich zurück, schalten Sie in den Vollbild-Modus und genießen Sie noch einmal diese spannenden Aufholjagden!

Darya Domracheva, IBU WM Verfolger Hochfilzen 2017, vs. Tora Berger, IBU WM Staffel NMNM 2013

Darya Domracheva
Domracheva schaffte nach einem enttäuschenden 27. Platz mit drei Fehlern im IBU WM Sprint von Hochfilzen 2017 ein fehlerfreies Comeback in der Verfolgung und gewann Silber. Mit 1:25 Rückstand ging Domracheva mit hohem Tempo ins Rennen, kam ohne Fehler durchs erste Liegendschießen und rückte auf 18 vor, kam fehlerlos durchs zweite Liegendschießen, vor auf 9, erstes Stehendschießen, noch mal fünf Treffer und vor auf Rang drei, wobei Sprint-Siegerin Gabriela Koukalová auf vier lag. Die Führende, Laura Dahlmeier, kam ohne Fehler durchs letzte Stehendschießen, Domracheva und Koukalová zogen nach und nur Kaisa Mäkäräinen fiel mit einem Fehler aus der Spitzengruppe. Domracheva hielt sich Koukalová mit einer starken letzten Runde vom Leib und gewann nur 5 Monate nach der Geburt ihres Kindes die Silbermedaille. „Es war eine Traum-Medaille. Vor dem Rennen habe ich nicht von einer Medaille zu träumen gewagt. Ich wollte einfach nur meine Fehler aus dem Sprint wiedergutmachen.“

Tora Berger
Berger übernahm beim letzten Wechsel mit 38 Sekunden Rückstand und erkämpfte den Norwegerinnen bei den IBU Weltmeisterschaften 2013 in Nove Mesto na Morave Gold in der Staffel der Frauen. Die Führenden, Andrea Henkel aus Deutschland und Olena Pidhrushna aus der Ukraine, blieben zunächst ohne Fehler. Berger zog nach und verkürzte den Abstand auf 21 Sekunden, lag aber noch auf Rang fünf. Im Stehendanschlag kam es zum Duell zwischen Berger und der Ukrainerin, und beide brauchten einen Nachlader. Berger war einen Hauch schneller und ging mit einer Sekunde Vorsprung auf die Strecke, den sie auf sieben Sekunden und Gold ausbauen konnte. „Ich hätte das nie zu träumen gewagt; ich habe gut geschossen.“ Pidhrushna dazu: „Wir brauchten beide Nachlader; die letzten Runde war der Wahnsinn!“

Miriam Gössner, Verfolgung POK 2012, vs. Kaisa Mäkäräinen, 15 km Einzel IBU WM Kontiolahti 2015

Miriam (Gössner) Neureuther

Gössner holte trotz Fehlschuss um Fehlschuss in der Verfolgung von Pokljuka 2012 immer wieder auf und sicherte sich schließlich ihren ersten Sieg im BMW IBU Weltcup. Nachdem sie im Sprint zwei Sekunden hinter Gabriela Koukalová ins Ziel gekommen war, fing die Verfolgung für Gössner nicht gut an: Sie verfehlte im ersten Liegendschießen zweimal und fiel zurück auf 7 mit 28 Sekunden Rückstand. An einem verregneten Nachmittag folgte der Wettkampf einem ganz einfachen Schema. Koukalová traf, während Gössner in die Strafrunde ging. Mit einem weiteren Fehler im zweiten Liegendschießen fiel sie weiter zurück auf nun 38 Sekunden Rückstand. Und trotzdem lief sie wie eine Getriebene. Nach dem nächsten Fehler im Stehendschießen lag die flinke Deutsche 24 Sekunden zurück, aber immer noch auf Rang drei. Nach dem letzten Fehler im letzten Stehendschießen ging sie 15 Sekunden hinter dem neuen tschechischen Star auf die Strecke. Im Nu zog Gössner an Marie Dorin Habert vorbei und nahm dann Koukalová ins Visier, die sie 600 Meter vor dem Ziel einholte, um dann 0,7 Sekunden vor ihr mit einem Mordssprint über die Ziellinie zu hechten. „Ich musste wegen meiner ganzen Fehler schneller laufen. Ich mag schlechte Bedingungen, also war der Regen kein Problem für mich!“

Kaisa MäkäräinenMäkäräinen holte zwei Strafminuten wieder auf und gewann bei den IBU Weltmeisterschaften 2015 in ihrem Heimstadion in Kontiolahti die Bronzemedaille im 15 km Einzel. Das einzige Ziel der Finnin bei diesen Weltmeisterschaften war es gewesen, wenigstens eine Medaille zu gewinnen. Sie kam mit einer schnellen ersten Runde und einem fehlerfreien ersten Liegendschießen gut ins Rennen. Im ersten Stehendschießen fing sie sich eine Strafminute ein und fiel zurück auf Rang 6 mit 56 Sekunden Rückstand. Im zweiten Liegendschießen kam eine weitere Strafminute dazu, aber sie flog förmlich über die vertrauten Strecken, und so betrug der Rückstand „nur“ 1:47. Mit einem perfekten letzten Stehendschießen verkürzte sie die Zeit auf 1:10 und bereitete ein spektakuläres Finale vor. Auf den letzten drei Kilometern lief Mäkäräinen wie besessen und holte Schritt um Schritt auf, bis sie im Zielbereich in den Schnee fiel, gerade einmal 24,4 Sekunden hinter der Goldmedaillengewinnerin Ekaterina Yurlova-Percht. Kaisa hatte eine Medaille ergattert! „Ich habe heute meinen Job gemacht und mich gefreut, einen guten Tag bei den Weltmeisterschaften erwischt zu haben!“

Andi Birnbacher, Verfolgung Hochfilzen 2011 (verlegt aus Osrblie), vs. Franziska Preuss, Verfolgung Oberhof 2019

Andi Birnbacher „dachte, es wäre unmöglich“, 2011 den Verfolger von Hochfilzen (verlegt aus Osrblie) von Startplatz 26 aus zu gewinnen, und doch holte er nach einem Schlusssprint auf den letzten 100 Metern mit 0,2 Sekunden Vorsprung vor Ole Einar Björndalen den Sieg. Bei heftigem Schneefall während des gesamten Wettkampfs arbeitete Birnbacher besonnen seinen Liegendscheiben ab und traf alle, womit er zunächst auf Rang 19 mit 56 Sekunden Rückstand, dann auf Rang 8 mit 22 Sekunden Rückstand vorrückte. Beim Stehendanschlag lagen Tarjei Boe und Martin Fourcade auf 1 und 2, aber eine große Gruppe um Birnbacher herum war dicht genug dran, um bei einem Fehlschuss noch um den Sieg mitzulaufen. Im ersten Stehendschießen verfehlten beide Führenden, während der Deutsche seine perfekte Serie ebenso wie Björndalen und Simon Fourcade fortsetzte. Im letzten Stehendschießen schossen sie gleichauf und gingen gemeinsam auf die Strecke, wobei Birnbacher einen Hauch vorn lag. 900 Meter vor dem Ziel lief das Trio Seite an Seite. Am Anstieg Richtung Ziel sprintete Birnbacher zum Sieg, während der norwegische Widersacher ins Straucheln kam und in den Schnee fiel. Seinen Sieg erklärte er mit „perfekten Ski und gutem Schießen“, während Björndalen hinzufügte: „Auf der letzten Runde passte dann alles, aber im Ziel war Andi stärker.“

Franziska Preuss
Preuss gelang an einem sehr windigen Tag 2019 in der Verfolgung der Frauen von Oberhof ein unglaublicher Sprung von Platz 45 mit 1:48 Rückstand am Start auf den sechsten Platz und einen Auftritt bei der kleinen Siegerehrung. Ausschlaggebend für den großen Sprung war ein fehlerfreies erstes Liegendschießen, bei dem die meisten Rivalinnen verfehlten. Sie rückte vor auf Rang 25, dann mit einem weiteren fehlerfreien Liegendschießen weiter vor auf 11. Mit einem Fehler im ersten Stehendschießen schlug die Deutsche sich so gut wie die Rivalinnen und lag nun auf Rang 5. Im letzten Stehendschießen hatte sie noch Chancen auf das Podest, verschenkte diese aber mit einem letzten Fehler und wurde Sechste. Trotzdem war dieser spektakuläre Auftritt, den sie mit einer Saisonbestleistung krönte, eine außergewöhnliche Leistung an einem Tag, den die Zweitplatzierte Anastasiya Kuzmina als „Schießlotterie“ bezeichnete_
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Laura Dahlmeier, Massenstart NMNM2019, vs. Dominik Windisch, IBU WM Massenstart OST 2019

Laura Dahlmeier

Dahlmeier wurde im Massenstart der Frauen 2016 in NMNM Zweite, nachdem sie nach zwei Fehlern im ersten Liegendschießen den Tag eigentlich hätte abschreiben können. Aufgrund der Schneebedingungen war die Strecke auf 12 km begrenzt, sodass zu Beginn eine Doppelrunde von 4 km und danach Runden von 2 km gelaufen wurden. Die lange erste Runde brachte Dahlmeier aus dem Tritt. Die sonst so zuverlässige Liegendschützin verfehlte zweimal und fiel auf Rang 23 mit 51 Sekunden Rückstand zurück. Von da an zeigte sich der deutsche Star treffsicher und rückte beständig auf 19, 12 und dann 5 vor, mit 21 Sekunden Rückstand nach fehlerfreiem letzten Stehendschießen. Marte Olsbu Roeiseland, Dorothea Wierer, Vanessa Hinz und Gabriela Koukalová lagen allesamt vor der Frau im gelben Trikot. Die Tschechin lag vorn, doch Dahlmeier trat aufs Gas und meldete Ansprüche aufs Podest an. 500 Meter vor dem Ziel hatte Koukalová noch sieben Sekunden Vorsprung, die Dahlmeier immerhin noch auf 3,1 Sekunden verkürzen konnte. „Nach dem letzten Schießen habe ich gedacht, dass das Podest noch möglich ist und habe sie eine nach der anderen überholt.“ „Meine Skier waren perfekt präpariert, das war der Schlüssel für diesen zweiten Platz.“

Dominik Windisch:
Windisch, der im IBU WM Massenstart 2019 nach dem ersten Stehendschießen auf Rang 13 lag, kam ohne Fehler durchs letzte Stehendschießen und lief durch immer tieferen Schnee zum WM-Sieg. Bis zu seiner Ankunft in Östersund hatte der Italiener in der laufenden Saison nicht einmal auf dem Podest gestanden, und hatte am Schießstand gewaltig zu kämpfen. Mit einem Fehler im ersten Schießen fiel Windisch zurück auf Rang 24 mit 38,9 Sekunden Rückstand und war in der Defensive. Ein weiterer Fehler im zweiten Liegendschießen warf ihn zurück auf 56 Sekunden Rückstand, aber inzwischen auf Rang 16. Nach einer weiteren Strafrunde im immer tieferen Schnee lag er 1:06 zurück, aber auf Rang 13. Als beim letzten Stehendschießen der Wind wie wild über den Schießstand fegte, schoss der Führende Johannes Thingnes Boe unglaubliche fünf Fehler. Praktisch alle Kontrahenten zwischen ihm und dem Italiener verschossen mehrfach. Windisch kam jedoch auf wundersame Weise ohne Fehler durch, überholte zwölf Rivalen, die in der Strafrunde kreiselten, und ging als Führender zurück auf die Strecke. „Ich habe nicht viel besser geschossen, aber die anderen haben mehr Fehler gemacht...Ich wusste gar nicht, dass ich führe; der Trainer hat mir am Anstieg (nach Verlassen des Stadions) gesagt, dass ich führe. Ich hab gesagt, ‚Was?‘ Ich war überwältigt... es ist unglaublich.“

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