Zwei neue Sterne am Himmel von Belarus: Dzinara und Hanna

Zwei neue Sterne am Himmel von Belarus: Dzinara und Hanna

Im viermonatigen Schauspiel der BMW IBU Weltcupsaison legte die belarussische Frauenmannschaft diesmal einen Auftritt hin wie sonst keine Nation. Unter der Führung der jungen Talente Dzinara Alimbekava und Hanna Sola erkämpfte sie sich mit Siegen und Podestplätzen ihren Platz im Rampenlicht zurück, und ihr fünfter Platz in der IBU Nationencupwertung war eine deutliche Verbesserung zu den Plätzen 11 und 12 in den zwei vorangegangenen Saisons. Bei vielen weckte die Entwicklung Erinnerungen an die Zeit von Klaus Siebert zwischen 2008 und 2014, als dieser Darya Domracheva und Co. zu Siegen und Medaillen führte und die Mannschaft eine feste Größe in den Top sechs des Nationencups war.  

Erfolge in Einzelrennen und Staffeln

Alimbekava lief von Saisonbeginn an auf Angriff und konnte einen Sieg, drei weitere Podestplätze und elf Top-Ten-Platzierungen einfahren, was ihr das blaue Trikot und am Ende der Saison den U25-Titel einbrachte. Sola war ihr dabei stets dicht auf den Fersen und lieferte mit einer Bronzemedaille im Sprint bei den IBU-Weltmeisterschaften sowie einem starken dritten und sechsten Platz zum Saisonabschluss in Oestersund ebenfalls beachtliche Leistungen ab. Unterstützt wurden die beiden von einer starken Hintermannschaft aus der Staffel-Olympiasiegerin Iryna Kryuko und der Goldmedaillengewinnerin der Verfolgung der IBU OEM 2020 Elena Kruchinkina, mit denen sie es als Staffel auf einen zweiten Platz in Oberhof und Nove Mesto na Moravě sowie einen knappen vierten Platz bei den IBU Weltmeisterschaften schafften.

Zwei neue Sterne am Himmel von Belarus: Dzinara und Hanna

Das Ziel: Blaues Trikot

Die 25-jährige Alimbekava konnte vor Saisonbeginn schon eine beachtliche Bilanz vorweisen: Eine Goldmedaille mit der Staffel von der IBU JWM, einige Sprintsiege im IBU Cup aus dem Jahr 2016, zwar nur eine Top-20-Platzierung im Weltcup (ein fehlerfreier 13. Platz aus Östersund 2018), aber eben auch olympisches Gold mit der Staffel. In diese Saison startete sie mit einem erklärten Ziel: Die beste Frau unter 25 im Biathlon zu werden. „Ich hatte ein Ziel, nämlich dieses blaue Trikot zu verteidigen und die Wertung zu gewinnen.“ Damit krönte sie eine, wie man sagen könnte, „Bilderbuchsaison“.

Verheißungsvoller Start in „Bilderbuchsaison“

Die „Bilderbuchsaison“ nahm schon in Kontiolahti einen vielversprechenden Anfang, als Alimbekava direkt mit einer persönlichen Bestleistung aufwartete, seinerzeit ein achter Platz im 15 km Einzel der Frauen, und dann mit einem sechsten Platz im Sprint am Folgetag direkt die nächste persönliche Bestmarke setzte. Am Ende der Wettkämpfe in Kontiolahti hatte sie ihre Bestleistung mit einem herausragenden Zwei-Fehler-Verfolger auf einen vierten Platz verbessert. Diese wiederholten persönlichen Bestleistungen verdankte sie einer Kombination aus soliden Laufzeiten und vor allem einer beeindruckenden Trefferquote von 90%, deutlich besser als die 76 % der Vorsaison.

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Weltcupsiegerin

Nach Kontiolahti war Alimbekavas nächstes Ziel absehbar: ein Podestplatz, auf den sie auch nicht lange warten musste. Und es war nicht irgendein Podestplatz. Alimbekava übersprang den dritten und zweiten Platz und kletterte gleich ganz oben aufs Treppchen, womit sie die Biathlon-Welt im Sprint von Hochfilzen gehörig durcheinanderwirbelte. Diesen Sieg erarbeitete sie sich mit fehlerfreiem Schießen, wie sie das auch schon beim 34. Platz in der Vorsaison gemacht hatte, nur lief die Belarussin diesmal auch schneller als alle anderen, einschließlich der Zweitplatzierten Tiril Eckhoff, die sie auf dem Weg zu ihrem ersten Sieg im BMW IBU Weltcup einfach hinter sich ließ. Mit einem strahlenden Lächeln sagte der neue Star am belarussischen Biathlon-Himmel: „Ich überrasche mich selbst bei jedem Rennen aufs Neue. ... Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach Kontiolahti noch einmal eine ähnliche Leistung bringen und zum ersten Mal in meiner Laufbahn aufs Podest laufen könnte. ... Für mich geht ein Traum in Erfüllung.“

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Solas Überraschungsauftritt

Nach Alimbekavas Sieg lieferte Sola einen Auftritt ab, den man sicher als die größte Überraschung der IBU Weltmeisterschaften bezeichnen darf. Anders als ihre Mannschafskameradin hatte Sola bis zum Sprint der Frauen bei der IBU WM am 13. Februar eine schwierige Saison gehabt. Vor Pokljuka war ihre beste Platzierung der Saison ein 16. Platz in der Verfolgung von Hochfilzen mit drei Fehlern. Am Schießstand lief es einfach nicht. In den vorangegangenen 12 Einzelrennen waren von 200 Scheiben 56 stehengeblieben. Aber an einem sonnigen Tag bei -10 °C und schlaff hängenden Fähnchen am Schießstand traf Sola alle ihre Scheiben und ging mit Medaillenchancen auf die letzte Runde. Auch wenn Anais Chevalier-Bouchet ihr mit einer schnelleren letzten Runde die Silbermedaille noch wegschnappte, konnte Sola sich die Bronzemedaille sichern. Mit Blick auf die vielen Strafrunden der vergangenen drei Monate sagte sie: „Ich war froh, die Strafrunde diesmal auslassen zu können. Es war das erste Mal in dieser Saison, dass ich fehlerfrei geschossen habe.“ Zur völlig unerwarteten Medaille sagte sie: „Ich habe vermutlich noch gar nicht begriffen, dass ich diese Medaille gewonnen habe, aber ich habe mich seit Anfang der Saison auf diese Medaille vorbereitet.“

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Gutes Schießen in den Staffeln

Mit dieser Medaille begann für das belarussische Duo und ihre Staffelkameradinnen ein starker letzter Saisonabschnitt. Schon Anfang des Jahres hatte das Quartett aus Kryuko, Alimbekava, Sola und Kruchinkina eine mehrere Saisons währende Podest-Durststrecke mit einem zweiten Platz in Oberhof beendet. An diesem Tag sagte Alimbekava: „Wir sind ein junges Team, was schon lange auf dieses Ergebnis hinarbeitet. Unsere Mädels sind sehr stark, aber wir haben es nie geschafft, gut zu schießen. Heute ... haben wir nicht so oft verfehlt und freuen uns, dass wir zeigen können, wo wir gerade stehen.“ Sie kamen als Favoritinnen für eine Medaille zur IBU WM, wurden aber Vierte und verpassten das Podest um 20 Sekunden, wieder mit guten Schießen und nur acht Nachladern. Es dauerte nur zwölf Tage, bis sie wieder auf dem Podest standen, als Zweite und wieder nur mit knappen zwei Sekunden Rückstand auf Schweden nach einem nervenaufreibenden Zweikampf auf der letzten Runde.

Selbstvertrauen und Motivation

Alimbekava erklärte, was zu ihren individuellen und Mannschaftserfolgen in dieser Saison geführt hatte. „Wir haben in diesem Sommer richtig gut trainiert, haben unser Tempo gesteigert und am Schießen gearbeitet. Wir hatten vor dieser schon gute Staffeln, wir haben Selbstvertrauen und glauben daran, dass wird das gut können. ... Alle Mädels waren motiviert, nachdem ich zu Beginn der Saison gute Ergebnisse abgeliefert hatte. Sie wissen, dass wir alle so gute Rennen laufen können, und das ist in jedem Wettkampf unser Ziel.“

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Podestplätze in Oestersund

Oestersund war das i-Tüpfelchen für dieses ambitionierte junge Team. Alimbekava und Sola belegten die Plätze 11 und 13 im Sprint, und Sola schaffte es mit einem dritten Platz in der Verfolgung zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn aufs Podest. Wie zu erwarten müde, aber glücklich, sagte sie: „In Gedanken bin ich schon längst zuhause, und das auch schon seit ein paar Wochen. Aber ich werde mich konzentrieren und versuchen, im letzten Wettkampf noch mal mein bestes Rennen zu laufen.“

Sola warf im letzten Massenstart der Saison noch einmal alles in die Waagschale und kam mit 25 Sekunden Vorsprung zum letzten Stehendschießen, doch mit vier Fehlern fiel sie auf Platz sechs zurück. Alimbekava ging nach drei Fehlern mit 2,5 Sekunden Vorsprung auf die letzte Runde und schaffte es noch, einen zweiten Platz hinter Ingrid Landmark Tandrevold zu verteidigen.

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„Diese Saison ... war großartig“

Als in Oestersund die Flutlichter verloschen, hatten die beiden guten Grund zu strahlen: Zweite und Sechste im letzten Wettkampf der Saison, Siebte und Dreiundzwanzigste in der Weltcup-Gesamtwertung und ein fünfter Platz in der Nationenwertung. Die Gewinnerin des blauen Trikots fasste es zusammen: „Diese Saison ... war großartig für mich. Vor dieser Saison hätte ich mir nicht träumen lassen, dass sie so laufen könnte. Ich kann meine Gefühle kaum in Worte fassen, aber ich bin einfach überglücklich.“

Photos: IBU/Christian Manzoni

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